Siemens Energy Aktie: 2,5 Milliarden Euro für North Sea Connector 1

Trotz eines neuen Offshore-Großauftrags fällt die Siemens Energy-Aktie. Grund ist eine Herabstufung durch die Analysten von Barclays.

Die Kernpunkte:
  • Zuschlag für Nordsee-Konverter
  • Barclays stuft Aktie herab
  • Kurs fällt auf Wochensicht
  • Quartalszahlen Anfang August

Ein neuer Milliardenauftrag, eine Aktie, die trotzdem fällt. Siemens Energy sichert sich den Zuschlag für einen weiteren Offshore-Konverter in der Nordsee. Der Kurs reagiert kaum – belastet wird er von einer Herabstufung durch Barclays.

Zuschlag für North Sea Connector 2

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz vergibt den Bau eines Offshore-Konverters an ein Konsortium aus Siemens Energy und NSORe. Das Projekt heißt North Sea Connector 2. Es soll künftig Windstrom aus einem Gebiet rund 200 Kilometer westlich von Sylt ins deutsche Netz einspeisen.

Die Fertigung läuft in Rostock, ergänzend ist Vlissingen als Standort im Spiel. Der Auftrag schafft mehr als 500 neue Arbeitsplätze.

Für Siemens Energy steckt hinter dem Zuschlag mehr als ein Einzelprojekt. Das Konsortium verhandelt parallel über ein zweites, ähnliches Vorhaben namens North Sea Connector 1. Der mögliche Auftragswert für NSORe liegt dabei bei rund 2,5 Milliarden Euro.

Kommt auch dieses zweite Projekt zustande, verbreitert sich die Auftragsbasis im Bereich Netzanbindungstechnik für Offshore-Windenergie deutlich. In diesem Segment ist Siemens Energy über seine Netzwerktechnik-Sparte seit Jahren aktiv.

Kurs bleibt unter Druck

Die Aktie schloss am Freitag bei 152,00 Euro. Auf Wochensicht bedeutet das einen Rückgang von 8,3 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,54 Euro, markiert am 24. April 2026, trennen den Kurs mittlerweile rund 22,3 Prozent.

Auf 30-Tage-Sicht notiert das Papier nahezu unverändert, minus 0,95 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 23,78 Prozent zu Buche. Der RSI von 42,6 zeigt einen neutralen Bereich, die annualisierte Volatilität von knapp 60 Prozent deutet auf weiterhin kräftige Ausschläge in beide Richtungen hin.

Analysten uneins über Bewertung

Die verhaltene Reaktion auf die Auftragsmeldung fällt in eine Phase widersprüchlicher Analysteneinschätzungen. Auslöser der jüngsten Talfahrt ist eine Neubewertung durch Barclays. Die Bank stuft Siemens Energy von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab, hebt das Kursziel aber gleichzeitig von 110 auf 130 Euro an.

Barclays-Analyst Vlad Sergievskii begründet die Herabstufung damit, dass Auftragseingang und freier Cashflow im Gasturbinengeschäft ihren Höhepunkt im Geschäftsjahr 2026 bereits erreicht haben könnten.

Andere Häuser widersprechen deutlich. RBC Capital Markets hält an seiner Outperform-Einstufung fest. Auch JPMorgan-Analyst Phil Buller bleibt optimistisch – gerade der aktuelle Offshore-Auftrag bestätigt diese Einschätzung.

Netzausbau als Wachstumstreiber

Der Zuschlag für North Sea Connector 2 zeigt, wie wichtig das Netzgeschäft für Siemens Energy im Zuge des Offshore-Windausbaus geworden ist. Nahezu die gesamte Wertschöpfung entsteht in deutschen Werken. Das sichert die Fertigungskapazitäten langfristig aus.

Kurz vor dieser Meldung hatte der Konzern bereits einen Großauftrag aus dem Oman über 2,6 Gigawatt eingesammelt. Der laufende Auftragsboom zieht sich damit durch mehrere Regionen und Geschäftsfelder.

Blick auf die Quartalszahlen

Der Konzern steckt aktuell in der „Quiet Period“ vor der nächsten Berichtsvorlage. Das Management äußert sich bis dahin nicht öffentlich. Am 5. August 2026 legt Siemens Energy die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor.

Dann zeigt sich, ob die operative Wachstumsdynamik anhält oder ob sich die Bedenken von Barclays zum Gasturbinengeschäft bestätigen. Bis dahin bleibt die Lücke zwischen starkem Auftragsmomentum und verhaltener Kursreaktion das bestimmende Thema für die Aktie.

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