Siemens Energy Aktie: 50Hertz-Deal mit 2 Gigawatt

Trotz Branchenausverkauf stufen UBS und JPMorgan Siemens Energy hoch. Analysten sehen Potenzial dank Rekordaufträgen und möglichem Aktienrückkauf.

Die Kernpunkte:
  • UBS und JPMorgan erhöhen Kursziele
  • Auftragsbestand erreicht 154 Milliarden Euro
  • Neuer Großauftrag für Offshore-Netzanbindung
  • Prüfung von Aktienrückkauf bis 2028

Ein Ausverkauf im Energietechnik-Sektor hat Siemens Energy zuletzt spürbar unter Druck gesetzt – zwei einflussreiche US-Banken sehen darin nun aber eine Gelegenheit zum Einstieg. UBS und JPMorgan bekräftigten am Freitag ihre positive Einschätzung zur Aktie, obwohl der Kurs zuvor deutlich nachgegeben hatte.

UBS und JPMorgan erhöhen Kursziele

UBS hob ihr Kursziel für Siemens Energy von 175 auf 210 Euro an und beließ die Kaufempfehlung. JPMorgan bestätigte sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 235 Euro und wertet den jüngsten Rücksetzer als Einstiegschance. Ausgelöst wurde der Ausverkauf in der Branche durch enttäuschende Gewinnzahlen des Wettbewerbers GE Vernova, die Anleger sektorweit verunsicherten. Die Siemens-Energy-Aktie schloss zuletzt bei 150,70 Euro und liegt damit rund 22,9 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,54 Euro, das sie im April markiert hatte. Auf Monatssicht steht ein Minus von gut fünf Prozent zu Buche. Trotz des Rücksetzers notiert das Papier aber noch knapp vier Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt – die längerfristige Aufwärtsbewegung ist damit nicht gebrochen.

Prall gefüllte Auftragsbücher als Argument der Bullen

Die Zuversicht der Analysten speist sich auch aus der operativen Entwicklung des Unternehmens. Der Auftragsbestand von Siemens Energy erreichte im Mai 154 Milliarden Euro, die Book-to-Bill-Ratio lag bei 1,72 – das Unternehmen gewinnt also deutlich mehr neue Aufträge, als es abarbeitet. Im zweiten Quartal 2026 verbuchte der Konzern einen Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 10,3 Milliarden Euro. Diese Kennzahlen gelten in der Branche als Frühindikator für künftiges Wachstum, da lange Vorlaufzeiten bei Energieprojekten den Umsatz erst mit Verzögerung sichtbar machen. Die nächsten Quartalszahlen legt Siemens Energy am 5. August vor – ein Termin, der angesichts der frischen Kurszielanhebungen besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürfte.

Neuauftrag für Offshore-Anbindung in der Ostsee

Parallel zur Analystendebatte meldete Siemens Energy einen weiteren Großauftrag im Netzgeschäft. Gemeinsam mit Neptun Werft und Smulders baut der Konzern für den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz die Konverterplattform North Sea Connector 2 mit einer Kapazität von 2 Gigawatt. Rund 95 Prozent der Siemens-Energy-Leistung entstehen dabei in deutschen Werken, das Projekt sichert mehr als 500 Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2034 vorgesehen. Ein Schwesterprojekt, North Sea Connector 1, befindet sich noch in Verhandlung – zusammen kommen beide Vorhaben auf ein Auftragsvolumen von etwa 2,5 Milliarden Euro. Solche Netzanbindungsprojekte zählen zum Kerngeschäft der Sparte Grid Technologies, die zuletzt maßgeblich zum starken Auftragseingang beigetragen hat.

Aktienrückkauf als zusätzlicher Kurstreiber im Blick

Zusätzliche Fantasie liefert die Prüfung eines möglichen Aktienrückkaufprogramms von bis zu sechs Milliarden Euro bis 2028, über das Siemens Energy derzeit nachdenkt. Ein Rückkauf dieser Größenordnung würde einen nennenswerten Teil der frei handelbaren Aktien binden und gilt am Markt traditionell als Signal des Vertrauens in die eigene Bewertung. Für Anleger dürfte in den kommenden Tagen entscheidend sein, ob die Quartalszahlen am 5. August die optimistischen Kursziele von UBS und JPMorgan stützen – oder ob der Sektor-Gegenwind durch GE Vernova noch nachwirkt.

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