Siemens Energy Aktie: Aufsichtsrat prüft Alternativen bis 25. August

Trotz Rekordzahlen blockiert der Aufsichtsrat die Abspaltungspläne. Eine Sondersitzung am 25. August soll über die Zukunft der Sparte entscheiden.

Die Kernpunkte:
  • Aufsichtsrat fordert Alternativszenarien
  • Rekordquartal mit 17,9 Mrd. Euro Aufträgen
  • Analysten heben Kursziele an
  • Neuer Großauftrag für KI-Rechenzentren

Siemens Energy steckt in einer strategischen Zerreißprobe. Während der Konzern operativ Rekordzahlen liefert, leistet der Aufsichtsrat erheblichen Widerstand gegen die vom Vorstand um Christian Bruch und Anne-Laure de Chammard geplante Abspaltung oder einen Börsengang der Sparte „Transformation of Industry“.

Das Gremium hat den Vorstand beauftragt, bis zum 25. August alternative Szenarien für einen Verbleib der Sparte im Konzern zu prüfen – inklusive des Elektrolyseur-Geschäfts. An diesem Tag soll eine Sonder-Aufsichtsratssitzung über die Zukunft der kleinsten Konzernsparte entscheiden.

Die Aktie notierte am Mittwoch bei 163,70 Euro, nach einem Tagesplus von 3,0 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 36 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 65 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 195,38 Euro, erreicht im April, ist das Papier derzeit noch 16 Prozent entfernt.

Rekordquartal als Verhandlungsmasse

Der Streit um TI trifft auf einen Konzern, der operativ so stark dasteht wie selten zuvor. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres meldete Siemens Energy einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,57. Der Auftragsbestand summiert sich mittlerweile auf 162 Milliarden Euro.

Der vergleichbare Quartalsumsatz kletterte um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, während sich das Ergebnis vor Sondereffekten auf 1,62 Milliarden Euro verdreifachte.

Der Vorstand bestätigte zugleich die Jahresprognose: Ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, eine Ergebnismarge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent sowie ein erwarteter Gewinn nach Steuern von rund 4 Milliarden Euro bei einem freien Cashflow von etwa 8 Milliarden Euro.

Auch die Windkrafttochter Siemens Gamesa trug zum positiven Bild bei: Sie erzielte erstmals seit 15 Quartalen wieder ein positives Ergebnis und bestätigte das Ziel, das Gesamtjahr verlustfrei abzuschließen.

Gerade diese Stärke dürfte den Widerstand im Aufsichtsrat gegen eine Abspaltung befeuern. Wer eine Sparte trennt, die zum Konzernergebnis beiträgt, muss überzeugend begründen, warum der Wert außerhalb des Konzerns besser gehoben werden kann als innerhalb.

Analysten reagieren auf die Zahlen

Nach Vorlage der Quartalszahlen am 5. August reagierten mehrere Analysehäuser mit Anpassungen. Die Deutsche Bank hob das Kursziel von 190 auf 210 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“.

RBC-Analyst Colin Moody beließ die Einstufung auf „Outperform“ mit einem Kursziel von ebenfalls 210 Euro. Nicht alle Stimmen fielen euphorisch aus: mwb Research hielt an seiner Verkaufsempfehlung fest und argumentierte, das starke Quartal sei im aktuellen Kursniveau bereits eingepreist.

Zusätzliches Standbein im Rechenzentrumsgeschäft

Neben dem Umbaustreit meldete Siemens Energy am Mittwoch eine Vereinbarung mit dem US-Partner Babcock & Wilcox über die Lieferung von 20 Dampf-Turbogeneratoren-Sets mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt. Das Geschäft ist Teil des „FastPower“-Programms zur Energieversorgung von KI-Rechenzentren und unterstreicht, wie stark der Konzern inzwischen vom Boom der Rechenzentrumsinfrastruktur profitiert.

Zusätzlichen Rückenwind lieferte der dänische Wettbewerber Vestas, der seine Margenprognose anhob und für das zweite Quartal eine operative Marge von 9,4 Prozent sowie einen Anstieg des Auftragseingangs um 67 Prozent auf 3,35 Gigawatt meldete. Die positiven Branchensignale strahlten auch auf die Siemens-Energy-Aktie aus.

Für Anleger bleibt der 25. August der entscheidende Termin: Erst mit der Aufsichtsratssitzung dürfte klar werden, ob der Konzern seine Struktur verändert oder ob TI Teil des Rekordgeschäfts bleibt.

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