Siemens Energy Aktie: Auftrag für North Sea Connector 2
Siemens Energy rückt durch US-Importpläne, einen Nordsee-Auftrag und neue Offshore-Technik stärker in den Fokus der Energiewende.

- Macquarie sieht Chancen durch China+1
- 50Hertz vergibt Nordsee-Connector-Auftrag
- Neue Offshore-Technik erreicht 300 Megawatt
- Aktie bleibt unter dem Jahreshoch
Es gibt Momente, in denen Geopolitik plötzlich zur Aktienanalyse wird. Diese Woche war so ein Moment für Siemens Energy. Während US-Präsident Trump einen nationalen Notstand ausrief, um chinesische Netzkomponenten aus dem amerikanischen Stromnetz zu verbannen, saß der Dresdner Energietechnikkonzern plötzlich mitten in einer Umsortierung der globalen Lieferketten – nicht als Opfer, sondern womöglich als Profiteur.
Die Executive Order 14420, die Energieminister Chris Wright künftig Importrestriktionen für Stromnetzausrüstung ermöglicht, zielt vor allem auf China als Hauptproduzenten. Die Analysten von Macquarie sehen darin einen „China+1-Shift“, von dem neben GE Vernova und Hitachi Energy auch Siemens Energy profitieren könnte.
Das Institut bezifferte den Exportanteil des Unternehmens am relevanten US-Geschäft auf 29 Prozent – eine Hausnummer, die zeigt, wie eng Siemens Energy bereits im amerikanischen Netzgeschäft verwoben ist.
Ein Auftrag, der die Erzählung stützt
Parallel zur Trump’schen Notstandserklärung meldete sich ein Konsortium aus Siemens Energy und dem Übertragungsnetzbetreiber NSORe mit einer handfesten Nachricht aus der Nordsee: Der deutsche Netzbetreiber 50Hertz vergab den Auftrag für das Konverter-System des North Sea Connector 2. Gebaut wird in Rostock, mehr als 500 Arbeitsplätze entstehen dort, die Offshore-Plattform selbst wird in Vlissingen gefertigt.
Inbetriebnahme ist erst Ende 2034 geplant – ein Zeithorizont, der zeigt, wie langfristig dieses Geschäft tickt. Ein zweites Projekt mit einem Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro für beide Vorhaben verhandelt das Konsortium bereits.
Wer die Aktie seit einem Jahr verfolgt, kennt das Muster: Große, langlaufende Infrastrukturaufträge treffen auf eine Weltpolitik, die Energieinfrastruktur zunehmend als sicherheitspolitisches Feld behandelt. Das ist keine Randnotiz mehr, sondern strukturbildend für das Geschäft.
Die Kehrseite der Geschichte
Doch dieselbe Woche zeigte auch die Verwundbarkeit der Technologie, auf der dieses Geschäft aufbaut. US-Behörden – CISA, FBI, NSA, das Energie- und das Umweltministerium – warnten vor aktiven Angriffen auf industrielle Steuerungssysteme, konkret auf Siemens-S7-Automatisierungstechnik.
Hacker nutzen demnach generative KI, um Exploit-Skripte zu bauen, mit besonderem Risiko für kleinere Wasserinfrastrukturen. Das betrifft zwar Steuerungstechnik und nicht direkt das Konverter- oder Umspannstationsgeschäft von Siemens Energy, doch es unterstreicht: Wer Kritische Infrastruktur baut, baut auch Angriffsfläche.
Auf der operativen Seite liefert das Unternehmen derweil handfeste technische Fortschritte. In China wurde auf Yuetuo Island die erste leichte Offshore-Umspannstation mit sogenannter HV-TSU-Technik installiert, ausgelegt auf 300 Megawatt, mit deutlich reduziertem Gewicht gegenüber konventionellen Topside-Konstruktionen.
Solche Leichtbau-Lösungen senken die Kosten für Fundament und Installation – ein Detail, das für die Marge im Offshore-Geschäft mehr zählt als jede politische Schlagzeile.
Was der Kurs dazu sagt
An der Börse zeigt sich davon zunächst wenig Euphorie. Die Aktie notiert bei 150,24 Euro und damit rund 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das sie im April erreicht hatte. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 25 Prozent, über zwölf Monate sogar von 63 Prozent – Zahlen, die die fundamentale Neubewertung des Energiewende-Titels widerspiegeln, auch wenn die jüngsten Wochen eher eine Verschnaufpause markieren.
Bemerkenswert ist derweil ein kleines, aber symbolisches Signal aus dem eigenen Haus: Aufsichtsratsmitglied Laurence Mulliez kaufte in 14 Einzeltransaktionen Aktien im Volumen von gut 100.000 Euro.
Kein Kurstreiber, aber ein Vertrauensbeweis aus erster Reihe – zu einem Zeitpunkt, in dem sich die große Erzählung um Siemens Energy weniger um Quartalszahlen dreht als um die Frage, wer künftig die Stromnetze der Welt baut, und unter welchen politischen Vorzeichen.
Die eigentliche Pointe dieser Woche ist damit weniger eine einzelne Meldung als die Gleichzeitigkeit der Ereignisse: Handelspolitik, Cybersicherheit und Ingenieursfortschritt verschränken sich zu einem Bild, in dem Siemens Energy nicht mehr nur Zulieferer, sondern Akteur in einem geopolitisch aufgeladenen Infrastrukturwettlauf ist.
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