Siemens Energy Aktie: EBITA verdreifacht auf 1,6 Milliarden

Siemens Energy verzeichnet Gewinnverdreifachung und erste profitable Windsparte seit 2022. Analysten sehen trotz jüngster Kursverluste weiteres Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Gewinn verdreifacht auf 1,6 Mrd. Euro
  • Windsparte erstmals seit 2022 profitabel
  • Gasgeschäft wächst um 62 Prozent
  • Nvidia-Kooperation im KI-Bereich geplant

Manchmal lohnt es sich, zwischen Kursverlauf und Unternehmensrealität zu unterscheiden. Bei Siemens Energy klafft derzeit genau diese Lücke auf, und für mich ist das der eigentliche Punkt, den Anleger diese Woche verstehen sollten.

Am 5. August legte der Konzern Zahlen vor, die sich sehen lassen können: Der Gewinn im dritten Quartal 2026 verdreifachte sich auf 1,6 Milliarden Euro EBITA. Bemerkenswerter noch: Die Windsparte Siemens Gamesa schrieb mit 75 Millionen Euro erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen.

Wer die Historie dieser Sparte kennt – jahrelang ein Verlustbringer, der die Konzernbilanz belastete – weiß, welches Signal das setzt. Hinzu kommt ein Auftragseingang im Segment Gas Services, der um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte, getrieben von Großaufträgen für US-Rechenzentren sowie Projekten im Nahen Osten und in Asien. Das Management zog daraus die Konsequenz und stellte nun das obere Ende der geplanten EBITA-Marge von 10 bis 12 Prozent in Aussicht.

Der Markt reagiert träge auf gute Nachrichten

Trotzdem notiert die Aktie aktuell bei 154,66 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen sieben Handelstage zeigt sogar ein Minus von 5,5 Prozent. Für mich ist das kein Widerspruch, sondern typisch für einen Titel, der zuvor stark gelaufen ist und nun eine Verdauungsphase durchläuft – seit Jahresbeginn steht immer noch ein Plus von 28 Prozent zu Buche.

Wer nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung zur möglichen Abspaltung am vergangenen Sonntag bereits verkauft hat, dürfte die anschließende Kursschwäche von 3,7 Prozent seither als Bestätigung gesehen haben. Ich lese die Lage anders: Operative Substanz und kurzfristige Kursnervosität sind zwei verschiedene Geschichten.

Interessant wird es, wenn man den Blick auf die strategische Flanke richtet. Am 5. August verkündete Vorstandschef Christian Bruch die Umbenennung von Siemens Gamesa in „Omterra“ – ein Schritt, der die Windtochter als eigenständige Marke positionieren soll, losgelöst vom Image der Verlustjahre.

Parallel dazu verweisen Analysten seit Mitte August auf eine technologische Kooperation mit Nvidia im Bereich industrieller KI-Anwendungen, die zusätzliches Wachstumspotenzial eröffnen soll.

Für mich ist das der spannendste Nebenstrang der Geschichte: Siemens Energy positioniert sich nicht nur als Restrukturierungsfall, sondern zunehmend als Profiteur zweier Megatrends gleichzeitig – der Energiewende und der KI-Infrastruktur.

Ein Sektor, der sich insgesamt erholt

Auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus stützt die These. Der dänische Wettbewerber Vestas hob am 12. August seine Margenprognose an, was am Markt als positives Signal für die gesamte Windbranche gewertet wurde – Siemens Energy eingeschlossen. Wenn selbst der direkte Konkurrent optimistischer wird, spricht das gegen die These, der jüngste Turnaround bei Omterra sei ein Einzelfall.

Wie immer gibt es die Gegenstimme. Morningstar bestätigte nach den Q3-Zahlen am 5. August seine Fair-Value-Schätzung von 140 Euro – deutlich unter dem aktuellen Kursniveau. Das steht in auffälligem Kontrast zu einer breiteren Auswertung von 15 Analystenhäusern vom selben Tag, die auf 13 Kauf- und lediglich 2 Verkaufsempfehlungen kommt, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 206,07 Euro. Diese Spannbreite zeigt: Auch unter Profis ist die Bewertung alles andere als einheitlich.

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für die operative Story. Eine erstmals profitable Windsparte, ein kräftig wachsendes Gasgeschäft und eine mögliche KI-Anbindung sind keine Kleinigkeiten.

Die jüngste Kursschwäche wirkt auf mich eher wie eine technische Verschnaufpause nach einer langen Rally als wie ein fundamentaler Bruch. Wer der Aktie skeptisch begegnet, sollte sich zumindest fragen, ob er die Zahlen vom 5. August schon vollständig eingepreist hat.

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