Siemens Energy Aktie: Erholung ohne eigene Impulse

Trotz solider Quartalszahlen fehlt ein eigener Kurstreiber; die Erholung hängt weiter von der Branchenstimmung und dem Tech-Umfeld ab.

Die Kernpunkte:
  • Zwei Handelstage mit Kursgewinnen
  • Monatsbilanz weiterhin mehr als 13 Prozent negativ
  • Quartalsgewinn erreicht 1,62 Milliarden Euro
  • Acht von neun Experten empfehlen den Kauf

Zwei Handelstage, zwei Kursgewinne, aber keine einzige Unternehmensmeldung. Die Gegenbewegung bei Siemens Energy folgt allein dem Sektor. Ob daraus mehr wird als ein Reflex nach überverkauften Niveaus, hängt vom Tech-Umfeld ab.

Sektor statt Unternehmensnews

Am Dienstag legte die Aktie zeitweise um 1,59 Prozent auf 125,12 Euro zu, nachdem sie am Montag bereits 3,77 Prozent gewonnen hatte. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von über 13 Prozent. Seit Ende April summiert sich der Rückgang auf rund 35 Prozent, im Jahresverlauf bleibt nur noch ein Plus von etwa 3 Prozent.

Ausgelöst hatten die Schwäche Zweifel an der Finanzierbarkeit des KI-Booms. Als Mitbewerber GE Vernova vergangene Woche zweistellig einbrach, rutschte auch Siemens Energy unter 120 Euro auf ein neues Jahrestief. Hinzu kam eine Studie von Barclays. Analyst George Featherstone sieht Anzeichen, dass die Preismacht der Rechenzentrumsausrüster an Grenzen stößt, und nennt neben Siemens Energy auch Siemens, ABB und Schneider Electric.

Technik bleibt angeschlagen

Charttechnisch ist das Bild nicht repariert. Die wichtigen gleitenden Durchschnitte sind verloren, ebenso der Bereich um 130 Euro, an dem die Aktie zuvor wiederholt drehte. Der MACD signalisiert weiter einen Abwärtstrend mit hoher Dynamik. Marktbeobachter werten die Bewegung deshalb eher als Gegenreaktion denn als Trendwende.

Neue Kaufsignale entstünden erst oberhalb der 50-Tage-Linie bei rund 141 Euro. Nach unten liegen die nächsten Unterstützungen bei 110 und 100 Euro.

Fundamentaler Rückhalt

Operativ liefert der Konzern solide Argumente. Im dritten Geschäftsquartal stieg der Gewinn vor Sondereffekten auf 1,62 Milliarden Euro, die Marge erreichte 14,2 Prozent. Der Auftragsbestand liegt bei 162 Milliarden Euro.

Zu den Rechenzentren erklärte das Management im Pre-Close-Call, es habe keine Stornierungen gesehen. Anzahlungen und Kündigungsklauseln böten wirtschaftlichen Schutz. Schwächere Auftragseingänge im Schlussquartal sind angekündigt, ein HVDC-Projekt wird erst im frühen Geschäftsjahr 2027 gebucht. Offen bleibt Siemens Gamesa, dessen Offshore-Aufträge unter der Erwartung liegen.

Die Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich. Von neun erfassten Experten raten acht zum Kauf, einer zum Halten. Die Kursziele reichen von 195 bis 250 Euro.

Termine bis zum 11. November

Bis zum Zahlentag liefern Dritte die Impulse. GE Vernova berichtet am Mittwoch, Howmet Aerospace als Zulieferer von Gasturbinenschaufeln folgt am Donnerstag. Am 11. November legt Siemens Energy selbst Zahlen zum Schlussquartal vor, dazu den Ausblick für das Geschäftsjahr 2027, Ziele bis 2030 und einen aktualisierten Rahmen für die Kapitalallokation. Der dritte Aktienrückkauf läuft seit 24. September und längstens bis 31. März 2027.

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