Siemens Energy Aktie: Gamesa nach 15 Quartalen profitabel
Siemens Energy meldet Rekordzahlen und sieht die Gasturbinen-Nachfrage unabhängig vom KI-Boom. Gamesa erreicht erstmals wieder Gewinn.

- Rekordwerte bei Auftragseingang und Umsatz
- Gamesa erstmals seit 15 Quartalen profitabel
- Jahresprognose bestätigt, Aktie legt zu
- Gasturbinen-Nachfrage breiter als KI-Boom
Rechenzentren gelten als einer der wichtigsten Wachstumstreiber für Gasturbinenhersteller. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch stellte am Mittwoch jedoch klar, dass die Nachfrage nach den Maschinen auf einer breiteren Basis steht als nur auf dem KI-Boom. Gegenüber Bloomberg sagte er, künstliche Intelligenz sei zwar ein wichtiger Akteur und werde ein bedeutendes Segment des Gasturbinenmarkts bleiben – daneben gebe es aber weltweit zahlreiche weitere Projekte, die die Elektrifizierung vorantreiben. Die Aussage soll Investoren beruhigen, die befürchten, ein Abkühlen des Rechenzentrums-Booms könnte die Auftragsdynamik bei Siemens Energy bremsen.
Gamesa profitabel, GE Vernova mit Windverlusten
Die Aussagen Bruchs fielen am Rande der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres, in denen Siemens Energy erneut Rekordwerte bei Auftragseingang, Umsatz und Profitabilität meldete. Besonders bemerkenswert: Die Windkraftsparte Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 15 Quartalen wieder schwarze Zahlen und liegt damit auf Kurs, im laufenden Geschäftsjahr den Break-even zu erreichen. Das ist ein Kontrast zum größten Rivalen GE Vernova, der im Vormonat zwar ebenfalls steigende Aufträge aus dem Rechenzentrums-Geschäft als Wachstumstreiber nannte, gleichzeitig aber einräumte, dass die eigene Windsparte weiterhin Verluste schreibt. Für Siemens Energy ist der Turnaround bei Gamesa damit nicht nur ein finanzieller Erfolg, sondern auch ein Argument im Wettbewerb um Investorenvertrauen in der Erneuerbaren-Sparte.
Die Zahlen selbst untermauern die Wachstumserzählung, auf die sich Bruchs Nachfrageeinschätzung stützt. Der Auftragseingang erreichte im dritten Quartal 17,9 Milliarden Euro, getrieben von einem Rekord bei Gas Services sowie kräftigen Zuwächsen bei Grid Technologies und Transformation of Industry. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,57, der Auftragsbestand kletterte zum Quartalsende auf 162 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, während sich das Ergebnis vor Sondereffekten auf 1.623 Millionen Euro mehr als verdreifachte. Der Nettogewinn schoss auf 1,19 Milliarden Euro von 697 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Bestätigte Jahresprognose als Rückenwind
Auf dieser Basis bestätigte der Konzern seinen nach dem ersten Halbjahr angehobenen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr. Erwartet werden ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, eine Marge vor Sonderposten zwischen 10 und 12 Prozent – am oberen Ende der Spanne – sowie ein Nettogewinn von rund 4 Milliarden Euro und ein Free Cashflow vor Steuern von rund 8 Milliarden Euro. Genau diese Kombination aus bestätigter Guidance und der Aussicht auf anhaltend starke Gasturbinen-Nachfrage dürfte erklären, warum Siemens Energy trotz der Debatte um mögliche KI-Überkapazitäten an seiner optimistischen Sprache festhält.
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Reaktion bislang verhalten positiv. Die Aktie schloss am Freitag bei 153,50 Euro, ein minimales Minus von 0,35 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 3,13 Prozent – ein Zeichen, dass die Rekordzahlen vom Mittwoch trotz zwischenzeitlicher Gewinnmitnahmen nachwirken. Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob sich die von Bruch beschriebene Diversifizierung der Nachfrage – jenseits von Rechenzentren auch klassische Industrieprojekte und Stromnetzausbau – tatsächlich in weiteren Großaufträgen niederschlägt. Ein Beispiel dafür liefert bereits der Großauftrag aus Oman über rund 2,6 Gigawatt Kraftwerksleistung für die Projekte Misfah und Duqm, der zeigt, dass die Gasturbinen-Nachfrage nicht allein von der Digitalwirtschaft abhängt.
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