Siemens Energy Aktie: Gamesa schreibt erste schwarze Zahlen seit 2022

Siemens Energy meldet Rekordaufträge und erstmals schwarze Zahlen bei Gamesa, kündigt aber die Umbenennung in Omterra an.

Die Kernpunkte:
  • Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro
  • Windkrafttochter Gamesa erstmals profitabel
  • Konzernumbenennung zu Omterra geplant
  • Prognose bestätigt, Kursziel leicht gesenkt

Es gibt Momente, in denen ein Unternehmen mehr über sich selbst aussagt als jede Bilanz es könnte. Bei Siemens Energy fällt das gerade zusammen: Die operativen Zahlen sind so gut wie lange nicht mehr – und trotzdem steht der Konzern vor der Frage, ob er sich künftig überhaupt noch so nennen darf.

Der Reihe nach. Anfang August meldete Siemens Energy für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro – erneut ein Rekordwert. Der Umsatz kletterte auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro.

Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,57 zeigt: Es kommen deutlich mehr Aufträge herein, als abgearbeitet werden. Der Auftragsbestand wuchs zum Quartalsende auf 162 Milliarden Euro. Das ist keine Momentaufnahme, sondern die Fortsetzung eines Trends, der sich seit Monaten durchzieht.

Ein Konzern, der sich selbst neu erfindet

Interessant wird es beim Blick auf die Segmente. Gas Services lieferte einen Rekordauftragseingang, Grid Technologies und Transformation of Industry legten ebenfalls kräftig zu.

Und dann ist da noch Siemens Gamesa: Die Windkraftsparte, jahrelang das Sorgenkind des Konzerns, schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder schwarze Zahlen. Das Management sieht sich im Plan, in diesem Geschäftsjahr den Break-even zu erreichen. Wer sich an die Verlustjahre erinnert, weiß, welche Wegstrecke das bedeutet.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Entscheidung, das Unternehmen umzubenennen, fast wie ein Kontrastprogramm. Siemens Energy und Siemens Gamesa sollen künftig unter der neuen Marke „Omterra“ auftreten, der Prozess soll im späteren Jahresverlauf 2026 beginnen und schrittweise umgesetzt werden.

Ein Name, der über ein Jahrzehnt für den Energiewende-Umbau von Siemens stand, tritt ab – ausgerechnet dann, wenn die Zahlen zeigen, dass das Umbauprojekt funktioniert.

Man kann das als Zufall der Zeitachse abtun. Man kann es aber auch als Sinnbild lesen für eine Branche, die sich insgesamt neu sortiert: Energiekonzerne, die einst als Zulieferer fossiler Infrastruktur galten, positionieren sich heute als Ausrüster der Transformation – Netze, Gasturbinen für die Übergangsphase, Windkraft, alles unter einem Dach, das bald einen anderen Namen trägt. Die Frage ist nicht, ob sich Energiekonzerne wandeln müssen, sondern wie viel von der alten Identität dabei verloren geht.

Bestätigte Prognose, aber ruhigerer Kursverlauf

Das Management bestätigte nach dem Quartalsbericht die bereits zur Jahresmitte angehobene Prognose für das Geschäftsjahr 2026, mit Tendenz der Ergebnismarge vor Sondereffekten zum oberen Ende der Bandbreite. Das ist ein Signal an die Aktionäre: Die operative Story bleibt intakt, unabhängig davon, wie das Rebranding am Ende ausgestaltet wird.

An der Börse zeigt sich diese Gemengelage zwiespältig. Die Aktie schloss am Freitag bei 153,00 Euro, ein Plus von 0,5 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangene Woche steht dennoch ein Rückgang von 4,8 Prozent zu Buche – ein Dämpfer, nachdem zuvor Spekulationen über eine mögliche Aufspaltung des Konzerns die Runde gemacht hatten.

Seit Jahresbeginn liegt das Papier trotzdem mit 27 Prozent im Plus, ein Beleg dafür, dass die fundamentale Entwicklung bislang stärker wiegt als kurzfristige Nervosität.

RBC Capital Markets senkte am 20. August das Kursziel von 210 auf 200 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“ – ein moderater Dämpfer, der die grundsätzlich positive Haltung des Hauses nicht infrage stellt.

Am Ende bleibt der Kontrast, der diese Kolumne trägt: ein Unternehmen mit Rekordzahlen, das sich zugleich neu benennen will. Ob „Omterra“ zur Erfolgsgeschichte wird oder zur Randnotiz einer ohnehin schon guten Bilanz – das entscheidet sich nicht an der Marke, sondern daran, ob Gas Services, Grid Technologies und die wiedererstarkte Windkraftsparte ihr Tempo halten können.

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