Siemens Energy Aktie: Gamesa soll 2026 Break-Even erreichen

Siemens Energy verzeichnet Rekordmargen im Netzgeschäft, während die Windtochter Gamesa weiterhin Verluste schreibt und eine Abspaltung droht.

Die Kernpunkte:
  • Netztechnologie-Sparte mit Rekordmargen
  • Windkrafttochter Gamesa bleibt Sorgenkind
  • Mögliche Ausgliederung oder Verkauf droht
  • Aktie mit hoher Volatilität von 60 Prozent

Kaum ein Wert an der Börse verkörpert die Energiewende so stark wie Siemens Energy. Der Konzern treibt den Wandel zu einem nachhaltigen Stromsystem voran. Parallel dazu kämpft das Management mit tiefen, hausgemachten Krisen.

Die jüngste Kursentwicklung bringt diese Zerrissenheit auf den Punkt. Seit Jahresanfang verbucht das Papier ein sattes Plus von 25 Prozent. Aktuell steht der Kurs bei 153,50 Euro.

In den vergangenen sieben Tagen verlor die Aktie allerdings fast sieben Prozent. Damit rutscht der Wert spürbar unter die 50-Tage-Linie von 166,41 Euro. Das Jahreshoch aus dem April wirkt plötzlich wieder weit entfernt.

Boomende Netze und lukratives Gas

Der Münchener Konzern profitiert enorm vom Megatrend der Dekarbonisierung. Besonders das Segment „Grid Technologies“ verzeichnet ein massives Wachstum. Diese Sparte baut die Infrastruktur für die weltweite Hochspannungsübertragung.

Ein gigantischer Ausbau der globalen Stromnetze läuft. Hinzu kommt der rapide steigende Energiehunger der neuen Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Die Folge: Rekordmargen für Siemens Energy.

Auch das klassische Gas-Geschäft liefert starke Zahlen. „Gas Services“ verkauft Turbinen und komplexe Kompressionssysteme. Diese Technologie dient vielen Ländern als unverzichtbare Brücke im Energieumbau.

Der Vorstand blickt deshalb optimistisch in die Zukunft. Die Prognosen für das Geschäftsjahr 2026 hob das Management bereits an. Der freie Cashflow soll auf acht Milliarden Euro klettern. Hohe Anzahlungen aus Großaufträgen machen dieses ambitionierte Ziel greifbar.

Die ewige Wind-Baustelle

Auf der anderen Seite steht das Sorgenkind Siemens Gamesa. Die Windkrafttochter belastet die Bilanz seit Jahren extrem. Bekannte Qualitätsprobleme bei Onshore-Turbinen zerstörten in der Vergangenheit viel Vertrauen.

Im Herbst 2023 erlebten Anleger den bisherigen Höhepunkt dieser Krise. Das Management steuert mittlerweile mit einem harten Aktionsplan gegen. Das Ziel: Im Geschäftsjahr 2026 soll die Sparte den Break-Even erreichen.

Im abgelaufenen zweiten Quartal schrumpften die Verluste tatsächlich ein wenig. Dennoch bleibt Gamesa ein massiver Risikofaktor. Der Markt beobachtet die Rentabilität mit Argusaugen.

Erste Berichte deuten auf radikale Schritte hin. Das gesamte Wind-Portfolio steht offenbar auf dem Prüfstand. Bleibt eine deutliche Besserung der Margen aus, droht ein harter Schnitt. Eine Ausgliederung oder ein kompletter Verkauf rücken als echte Option näher. Eine endgültige Entscheidung lässt jedoch auf sich warten.

Konstante Zerreißprobe

Der Spagat zwischen Rekordgewinnen und Sanierungsfällen treibt die Kursschwankungen an. Die Aktie weist eine extrem hohe Volatilität von fast 60 Prozent auf. Das zeigt die ständige Unsicherheit im Markt.

Investoren wiegen täglich das enorme Potenzial der Stromnetze gegen die Gamesa-Risiken ab. Die jüngste Korrektur nach der starken Jahresrally bestätigt dieses Muster. Anleger reagieren äußerst sensibel auf jede Nachricht aus der Windsparte.

Siemens Energy bleibt unbestritten ein Schlüsselspieler für die zukünftige Energieversorgung. Das Unternehmen liefert ein perfektes Abbild der globalen Energiewende. Der Umbau verlangt gigantische Investitionen und brandneue Technologien. Der Balanceakt zwischen alten Systemen und neuen Ansätzen erzeugt zwangsläufig viel Reibung. Wer als Investor diesen Weg mitgeht, braucht starke Nerven. Gelingt die Sanierung von Gamesa, dürfte sich diese Geduld am Ende auszahlen.

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