Siemens Energy Aktie: Nagelprobe am Bilanztag

Siemens Energy muss heute starke Q3-Zahlen liefern, um die jüngste Kursrallye zu rechtfertigen. Analysten sehen Chancen und Risiken.

Die Kernpunkte:
  • Aktie legte binnen sieben Tagen deutlich zu
  • Grid Technologies im Fokus der Anleger
  • Auftragsbestand übersteigt 150 Milliarden Euro
  • Gamesa bleibt weiterhin ein Risikofaktor

Siemens Energy legt heute die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor. Der Aktienkurs ist der Bilanz bereits vorausgeeilt: Binnen sieben Handelstagen ging es um 14,73 Prozent nach oben. Jetzt muss der Konzern liefern, was der Markt längst einpreist.

Der Druck vor der Bilanz

Der Turnaround bei Siemens Energy hat einen Punkt erreicht, an dem Ankündigungen nicht mehr reichen. Anleger wollen sehen, dass die im Mai angehobene Jahresprognose von rund 4 Milliarden Euro Nettogewinn wirklich trägt. Operativ lieferte der Konzern zuletzt Argumente: ein 2,6-Gigawatt-Großauftrag im Oman und neue Konverterplattformen für die Nordsee zeigen, dass die Auftragsbücher voll sind.

Der Kurs schloss gestern bei 153,10 Euro. Das sind 3,45 Prozent mehr als am Vortag und ein Zeichen dafür, wie nervös und zugleich hoffnungsvoll der Markt vor dem Berichtstag ist. Zum Rekordhoch von 195,54 Euro aus dem April fehlen aber immer noch 21,70 Prozent.

Die entscheidende Frage: Boom oder Zyklus?

Im Zentrum der heutigen Zahlen steht das Netzgeschäft Grid Technologies. Hier zeigt sich, ob der Rechenzentren-Boom und die weltweite Netzmodernisierung eine dauerhafte Margenverbesserung auslösen. Oder ob Siemens Energy gerade nur den Höhepunkt eines Investitionszyklus mitnimmt.

Sollte der Konzern belegen, dass die Margen in der Netztechnik dauerhaft bei 18 bis 20 Prozent bleiben, wäre das ein Signal für eine höhere Bewertung der gesamten Aktie. Software-Lösungen wie die „Noedra“-Suite sollen genau das leisten: aus einem zyklischen Boom ein stabiles Geschäftsmodell machen.

Das bullische Szenario: Rückenwind aus der Infrastruktur-Welle

Für eine Fortsetzung der Rallye spricht der Auftragsbestand. Er hat zuletzt die Marke von 150 Milliarden Euro überschritten. Siemens Energy zählt zu den wenigen Komplettanbietern, die vom Energiehunger der Tech-Konzerne für ihre Rechenzentren direkt profitieren.

Auch die Charttechnik liefert Argumente für die Bullen. Der Kurs notiert mit 153,10 Euro über dem 200-Tage-Durchschnitt von 146,51 Euro — ein Zeichen für den intakten Aufwärtstrend seit Jahresbeginn. Übertrifft der heutige Zahlenausweis die Konsensschätzungen, könnte das reichen, um den 50-Tage-Durchschnitt bei 156,05 Euro zu durchbrechen. Die Lücke zum Rekordhoch würde sich dann spürbar verkleinern.

Das bärische Szenario: Zu viel vorweggenommen

Das größte Risiko liegt paradoxerweise in der starken Kursentwicklung der vergangenen Woche. Der Markt hat schon viel Positives eingepreist. Bestätigt der heutige Ausblick nur die bisherigen Erwartungen, statt sie zu übertreffen, drohen Gewinnmitnahmen.

Die Windsparte Siemens Gamesa bleibt zudem das Sorgenkind im Konzern. Für das Gesamtjahr peilt das Management dort zwar eine schwarze Null an. Technische Probleme im Onshore-Programm „Mistral“ könnten aber jederzeit neue Rückstellungen erzwingen.

Zeigt der heutige Bericht, dass Altlasten aus dem Windgeschäft den freien Cashflow belasten, dürfte sich der Abstand zum Rekordhoch kaum verringern. Im Extremfall könnte er bei Gewinnmitnahmen sogar wieder wachsen.

Ausblick: Was nach den Zahlen zählt

Kurzfristig entscheidet die heute präsentierte Cashflow-Entwicklung über die Richtung der Aktie. Untermauert Siemens Energy glaubhaft den Pfad zu einem freien Cashflow vor Steuern von rund 8 Milliarden Euro für das Gesamtjahr, spricht mehr für einen Vorstoß Richtung 160 Euro. Zeigt die Marge bei Grid Technologies dagegen erste Anzeichen einer Normalisierung, oder steigen die Sanierungskosten bei Gamesa erneut, dürfte die Stimmung schnell kippen.

Der nächste konkrete Termin nach der heutigen Bilanz folgt Ende September: Dann soll das laufende Aktienrückkaufprogramm abgeschlossen sein. Bleibt der Konzern hier im Zeitplan, liefert das einen zusätzlichen Halt für den Kurs — unabhängig davon, wie die heutigen Quartalszahlen ausfallen.

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