Siemens Energy Aktie: Q3-Zahlen am 5. August

Trotz Großaufträgen und neuem Gaskraftwerk-Gesetz belastet eine Barclays-Abstufung die Siemens Energy Aktie.

Die Kernpunkte:
  • Barclays senkt Rating auf Underweight
  • Milliardenauftrag aus dem Oman
  • Bundestag verabschiedet Gaskraftwerk-Gesetz
  • Aktie fällt trotz positiver Nachrichten

Neue Milliardenaufträge, ein günstiges Gesetz aus Berlin – und trotzdem rutscht die Aktie ab. Bei Siemens Energy zeigt sich gerade, wie stark ein einziges Analystenvotum die Stimmung drehen kann.

Am Freitag schloss das Papier bei 152,00 Euro. Das Tagesminus lag bei 2,73 Prozent, auf Wochensicht summierten sich die Verluste auf 9,46 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von über 10 Prozent, seit Jahresbeginn sind es fast 24 Prozent.

Aufträge und Politik liefern Rückenwind

Siemens Energy sicherte sich zuletzt einen Großauftrag aus dem Oman. Der Konzern liefert Gas- und Dampfturbinen sowie Generatoren für zwei Kraftwerksprojekte mit rund 2,6 Gigawatt Gesamtleistung. Die Anlagen lassen sich später auf Wasserstoffbetrieb umrüsten, dazu kommen langfristige Serviceverträge. Solche Service-Erlöse wirken wie ein Puffer – sie fangen Schwankungen im Neugeschäft ab.

Als Teil eines Konsortiums holte sich der Konzern zudem den Zuschlag für „North Sea Connector 2“. Das Projekt umfasst ein Offshore-Konvertersystem für Netzbetreiber 50Hertz, das Windstrom von See ins deutsche Netz einspeist. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2034 geplant, über 500 langfristige Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern sind daran geknüpft.

Am 10. Juli verabschiedete der Bundestag zusätzlich das Gaskraftwerks-Gesetz. Es erlaubt den Bau neuer Gaskraftwerke mit 11 Gigawatt Gesamtkapazität, die spätestens Ende 2031 ans Netz gehen müssen. Ab 2045 sollen diese Anlagen auf Wasserstoff umstellbar sein. Für Siemens Energy als einen der größten Gasturbinen-Hersteller weltweit öffnet das einen potenziellen Heimatmarkt.

Barclays sieht den Höhepunkt erreicht

Trotz dieser Nachrichtenlage stufte Barclays-Analyst Vlad Sergievskii die Aktie von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab. Seine These: Das Gasturbinengeschäft hat seinen operativen Höhepunkt erreicht. Das Kursziel hob er zwar von 110 auf 130 Euro an – das liegt aber weiterhin deutlich unter dem aktuellen Kurs.

Barclays rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit einem Rekord beim freien Cashflow von rund 7,62 Milliarden Euro. Danach erwartet die Bank jedoch eine Normalisierung der Nachfrage. Genau diese Skepsis dürfte den Kurs am Freitag belastet haben.

Andere Häuser sehen das anders. RBC bestätigte sein „Outperform“-Rating und hob das Kursziel von 200 auf 210 Euro an. Auch JPMorgan bleibt bei seiner positiven Einschätzung.

Was die Kurszahlen zeigen

Mit 152,00 Euro notiert die Aktie rund 22,27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,54 Euro vom 24. April 2026. Zum 52-Wochen-Tief von 84,62 Euro vom 2. September 2025 beträgt der Abstand dagegen fast 80 Prozent. Der RSI von 42,6 signalisiert keine überkaufte oder überverkaufte Lage, die Volatilität bleibt mit knapp 60 Prozent hoch.

Der Kurs liegt derzeit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 165,46 Euro, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 142,72 Euro. Diese Konstellation zeigt: Der langfristige Trend bleibt intakt, kurzfristig hat sich die Dynamik jedoch abgekühlt.

Siemens Energy befindet sich aktuell in der „Quiet Period“ vor den Q3-Zahlen. Das Management äußert sich bis zur Veröffentlichung am 5. August 2026 nicht öffentlich zum Geschäftsverlauf. Bis dahin bleibt der Markt auf sich gestellt – und muss die widersprüchlichen Signale aus Auftragsbüchern, Politik und Analystenhäusern selbst gewichten.

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