Siemens Energy Aktie: Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden
Siemens Energy meldet im dritten Quartal hohe Aufträge und Umsatz, während Angriffe auf deutsche Stromnetze die Sicherheitslage verschärfen.

- Christian Bruch warnt vor wachsender Infrastrukturbedrohung
- Auftragseingang erreicht 17,9 Milliarden Euro
- Siemens Gamesa schreibt wieder Quartalsgewinn
- Aktie bleibt unter dem 50-Tage-Durchschnitt
Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hat sich am Freitag zur wachsenden Bedrohungslage für kritische Infrastruktur in Deutschland geäußert. Die Energieinfrastruktur werde hierzulande stärker angegriffen als in anderen europäischen Ländern, so Bruch laut dpa-AFX. Die Bedrohungslage habe in den vergangenen zwölf bis achtzehn Monaten deutlich zugenommen.
Konkreter Anlass für die Warnung sind Angriffe auf Stromnetze in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Ermittler gehen laut dpa-AFX von verfassungsfeindlicher Sabotage aus. Bruch verwies darauf, dass Deutschland als großes Transitland im Konfliktfall besonders exponiert sei – eine Einschätzung, die das Unternehmen als Betreiber und Ausrüster von Netztechnik unmittelbar betrifft.
Operatives Geschäft läuft auf Rekordniveau
Die Warnung vor Sicherheitsrisiken trifft ein Unternehmen, das operativ derzeit so stark dasteht wie selten zuvor. Im dritten Geschäftsquartal 2026 verbuchte Siemens Energy einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 11,4 Milliarden Euro, ein währungsbereinigtes Plus von 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Book-to-Bill-Ratio lag bei 1,57, der Auftragsbestand zum Quartalsende erreichte 162 Milliarden Euro. Das Unternehmen bestätigte seine bereits nach dem ersten Halbjahr angehobene Jahresprognose und rechnet mit einer Gewinnmarge vor Sondereffekten am oberen Ende der Spanne.
Auch die einstige Problemsparte Siemens Gamesa trägt inzwischen zum positiven Bild bei: Sie meldete erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis und liegt auf Kurs zum angepeilten Break-Even im laufenden Geschäftsjahr.
Rechenzentren und Netzausbau als Wachstumstreiber
Strukturell profitiert Siemens Energy von mehreren parallelen Nachfragewellen. Rund ein Fünftel der Aufträge im dritten Quartal stammte aus dem Geschäft mit Rechenzentren, deren steigender Strombedarf durch den KI-Boom Netztechnik, Transformatoren und Gasturbinen befeuert.
Etwa die Hälfte neuer Gasturbinenaufträge kommt aus den USA und dem Nahen Osten. Hinzu kommt der notwendige Ausbau der Stromnetze für Elektrifizierung und erneuerbare Energien in Europa. Ende August profitierte die Aktie zudem laut Medienberichten von einem Energietechnik-Dekret der US-Regierung unter Präsident Trump.
Aktie unter dem 50-Tage-Durchschnitt
Trotz der starken operativen Entwicklung hat sich der Kurs zuletzt seitwärts bewegt. Am Freitag schloss die Aktie bei 147,08 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent auf Tagessicht.
Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Rückgang von 2,7 Prozent zu Buche, der Kurs notiert damit unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 152,86 Euro. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch mit 22 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Zugewinn auf 65 Prozent.
Die Kombination aus geopolitischer Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur und struktureller Nachfrage nach Netzausbau und Rechenzentrums-Energie zeichnet ein zwiespältiges Bild: Siemens Energy steht im Zentrum eines Sicherheitsrisikos, das der Konzern selbst adressieren muss – zugleich aber auch im Zentrum der Investitionswelle, die genau dieses Risiko mindern soll.
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