Siemens Energy Aktie: SpaceX plant Turbinenschaufeln
Mehrere Analysehäuser halten die SpaceX-Ankündigung für ein Signal wachsender Turbinennachfrage und bestätigen ihre positiven Einschätzungen zu Siemens Energy.

- SpaceX will Turbinenschaufeln künftig selbst fertigen
- JPMorgan bestätigt 245 Euro Kursziel
- Siemens Energy meldet 17,9 Milliarden Euro Auftragseingang
- Aktie verliert binnen einer Woche 5,1 Prozent
Die Ankündigung von Elon Musk, künftig eigene Turbinenschaufeln herzustellen, um Lieferverzögerungen bei Gasturbinen zu verkürzen, hat bei Siemens-Energy-Anlegern Nervosität ausgelöst. Grund für den SpaceX-Vorstoß ist die hohe Nachfrage nach Gasturbinen für Rechenzentren – ein Markt, in dem Siemens Energy bislang eine zentrale Rolle spielt. Mehrere Analysehäuser widersprechen jedoch der Sorge, hier entstehe eine ernsthafte Konkurrenz.
Analysten widersprechen der Bedrohungsthese
JPMorgan-Analyst Phil Buller bestätigte am Dienstag sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 245 Euro. Seine Begründung: Die SpaceX-Pläne deuten auf steigende Nachfrage nach Gasturbinen hin, nicht auf eine Nachfragespitze. Zudem betreffe das Feld nur rund zehn Prozent der Siemens-Energy-Umsätze.
Jefferies-Analyst Lucas Ferhani bewertete die Ankündigung von SpaceX am Mittwoch ähnlich: Sie belege erhebliche, dauerhafte Stromnachfrage. Eine eigene Turbinenproduktion sei erst nach Jahren realistisch, kurzfristige Preiseffekte seien unwahrscheinlich. Ferhani bestätigte sein Buy-Rating mit einem Kursziel von 215 Euro.
Auch die Deutsche Bank bekräftigte am selben Tag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 Euro. Übereinstimmend argumentieren die Häuser, dass die Turbinenknappheit eher als Bestätigung der eigenen Marktposition zu lesen sei denn als Bedrohung – Siemens Energy baue parallel seine Gießerei- und Gusskapazitäten aus, um Lieferengpässe zu lindern.
Operatives Fundament bleibt intakt
Die Zahlen aus dem dritten Quartal stützen diese Sichtweise. Siemens Energy meldete Anfang August einen Rekord-Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro und einen Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereffekten verdreifachte sich auf 1,62 Milliarden Euro.
Die Windtochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis. Das Unternehmen bestätigte zudem seine Jahresprognose 2026 mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent und einer operativen Marge von 10 bis 12 Prozent.
Kursreaktion trotz Entwarnung verhalten
Trotz der übereinstimmenden Entwarnung mehrerer Analystenhäuser bleibt der Kurs unter Druck. Auf Wochensicht verlor die Aktie 5,1 Prozent, auf Monatssicht 6,7 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 19 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die SpaceX-Debatte bislang eher eine kurzfristige Verunsicherung als einen fundamentalen Bruch im Anlegervertrauen darstellt.
Für Anleger bleibt damit die Kluft zwischen fundamentaler Einschätzung der Analysten und tatsächlicher Kursentwicklung das bestimmende Thema. Solange sich die These der Häuser – strukturell steigende Turbinennachfrage statt Konkurrenzdruck – nicht durch neue Fakten widerlegt, dürfte der aktuelle Kursrückgang eher als Stimmungseffekt denn als Neubewertung der Geschäftsaussichten zu interpretieren sein.
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