Siemens Energy: Gamesa dreht in die Gewinnzone

Siemens Energy verzeichnet starkes drittes Quartal mit Gewinnsprung und Gamesa-Turnaround. Analysten streiten über die weitere Kursentwicklung der Aktie.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzsprung um 18,5 Prozent
  • Gamesa erstmals seit 2022 profitabel
  • Prognose für 2026 bestätigt
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Siemens Energy hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 so kräftig verdient wie selten zuvor – und doch notiert die Aktie rund ein Fünftel unter ihrem Rekordhoch.

Der Energietechnikkonzern meldete am Mittwoch vergangener Woche einen Umsatzsprung von 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereffekten verdreifachte sich auf 1.623 Millionen Euro gegenüber 497 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 1.188 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte auf 162 Milliarden Euro – ein Polster, das dem Unternehmen für Jahre Visibilität verschafft.

Gamesa dreht in die Gewinnzone, Gas Services boomt

Besonders bemerkenswert: Die einstige Problemsparte Siemens Gamesa erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 56 Millionen Euro – das erste profitable Quartal seit 2022. Nach Jahren voller Qualitätsprobleme und Milliardenabschreibungen bei der Windkraftsparte ist das ein Signal, dass die Sanierung greift.

Parallel dazu lieferte die Sparte Gas Services erneut zweistelliges Wachstum: Der Auftragseingang stieg um 62 Prozent, der Umsatz um 20 Prozent, der Gewinn sogar um 60 Prozent.

Treiber sind laut Unternehmensangaben vor allem Aufträge von Betreibern von KI-Rechenzentren, klassischen Kraftwerksbetreibern und Projekten im Nahen Osten – ein Nachfragemix, der die These stützt, dass der Energiehunger der Digitalwirtschaft zunehmend auch klassische Turbinengeschäfte befeuert.

Mit den Zahlen bestätigte Siemens Energy zugleich die Jahresprognose 2026: ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent, eine Ergebnis-Marge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent mit Tendenz zum oberen Ende der Spanne, einen Gewinn nach Steuern von rund 4 Milliarden Euro sowie einen freien Cashflow vor Steuern von etwa 8 Milliarden Euro.

Dass der Konzern trotz des starken Quartals nicht offensiv nach oben korrigierte, dürfte an der bevorstehenden Konzernumbenennung liegen: Siemens Energy und Siemens Gamesa sollen im späteren Jahresverlauf schrittweise unter der neuen Dachmarke Omterra zusammengeführt werden, wie das Unternehmen bereits Mitte Juli angekündigt hatte.

Kapitalrückführung und besseres Rating

Die operative Stärke spiegelt sich auch in der Kapitalpolitik. Zwischen dem 4. Juni und dem 30. September läuft die zweite Tranche des Aktienrückkaufprogramms mit einem Volumen von bis zu 1 Milliarde Euro. Insgesamt hat sich Siemens Energy für die Jahre 2026 bis 2028 ein Rückkaufprogramm von 6 Milliarden Euro vorgenommen, davon sollen binnen zwölf Monaten bis zu 3 Milliarden Euro fließen.

Zusammen mit Dividendenzahlungen plant der Konzern in diesem Zeitraum Kapitalrückführungen von bis zu 10 Milliarden Euro an die Aktionäre – ein deutliches Signal dafür, wie sehr sich die Bilanzstruktur seit den Krisenjahren der Windkraftsparte verbessert hat.

Im Juli hatte die Ratingagentur S&P Global das langfristige Kreditrating bereits auf BBB+ angehoben, was die gestiegene finanzielle Stabilität zusätzlich untermauert.

Analysten uneins über den weiteren Kursverlauf

Die Reaktionen der Analysten fielen zuletzt gespalten aus. UBS-Analyst Christopher Leonard hob sein Kursziel am 28. Juli von 175 auf 210 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung – für ihn bleibt nach den starken operativen Trends noch Luft nach oben.

Barclays-Analyst Vlad Sergievskii sah es zeitgleich anders: Er stufte die Aktie von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab und warnte, der Titel habe einen zyklischen Höhepunkt erreicht, auch wenn er sein Kursziel leicht auf 130 Euro anhob. Die Spanne zwischen 130 und 210 Euro zeigt, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die weitere Bewertung nach der jüngsten Rally einschätzen.

An der Börse hat sich diese Unsicherheit bereits in den Kursen niedergeschlagen. Die Aktie notiert aktuell bei 155,38 Euro und damit gut 20 Prozent unter ihrem am 24. April markierten 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 29,05 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass der jüngste Rücksetzer eher eine Verschnaufpause nach einer ausgeprägten Aufwärtsbewegung ist als eine fundamentale Trendwende.

Für Anleger bleibt die entscheidende Frage, ob die anstehende Umfirmierung zu Omterra operative Fortschritte wie den Turnaround bei Gamesa und das Wachstum im Gasgeschäft überstrahlt oder ob die fundamentale Story unter der neuen Marke unverändert weiterläuft.

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