Siemens Energy: Gamesa dreht nach Jahren in Gewinn

Siemens Energy meldet Rekordzahlen: Auftragseingang und -bestand erreichen Höchstwerte, Windtochter Gamesa erstmals wieder profitabel.

Die Kernpunkte:
  • Rekordwerte bei Auftragseingang und -bestand
  • Gamesa erstmals seit 2022 profitabel
  • Prognose für Gewinnmarge bestätigt
  • Aktie notiert unter Rekordhoch

Siemens Energy hat am Mittwoch Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt, die nach Unternehmensangaben Rekordwerte erreichten. Der Auftragseingang kletterte auf 17,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand stieg auf 162 Milliarden Euro. Der Umsatz legte auf vergleichbarer Basis um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zu. Der Energietechnikkonzern bestätigte zugleich die nach dem ersten Halbjahr angehobene Jahresprognose und rechnet bei der Gewinnmarge vor Sondereffekten mit einem Wert am oberen Ende der Bandbreite.

Die Zahlen bestätigen einen Trend, der sich über mehrere Quartale aufgebaut hat: Der Auftragsbestand von 162 Milliarden Euro sichert Siemens Energy nach eigenen Angaben Sichtbarkeit über Jahre hinaus. Anleger werten das hohe Auftragsvolumen als Indiz dafür, dass die Nachfrage nach Energietechnik nicht nur ein kurzfristiges Strohfeuer ist, sondern von strukturellen Faktoren getragen wird.

Gamesa schreibt wieder schwarze Zahlen

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Windgeschäft Siemens Gamesa. Die Sparte war über Jahre die größte Belastung im Konzern, schrieb nun aber laut Unternehmensangaben erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 in einem Quartal wieder schwarze Zahlen. Siemens Energy sieht sich damit im Plan, für 2026 insgesamt den Break-even zu erreichen. Der Turnaround bei Gamesa gilt als einer der zentralen Bausteine für die verbesserte Konzernprofitabilität, da das Windgeschäft zuvor massive Rückstellungen und Nachbesserungen an Turbinen verursacht hatte.

Bruch sieht anhaltend starke Nachfrage

Konzernchef Christian Bruch äußerte sich laut Bloomberg zuversichtlich zur weiteren Entwicklung im Gasturbinengeschäft. Die Nachfrage bleibe bis ins kommende Jahr stark, sagte Bruch. Künstliche Intelligenz sei ein wichtiger Treiber im Gasturbinen-Markt, aber nicht der einzige – auch andere Faktoren der globalen Elektrifizierung stützten das Geschäft. Diese Einordnung ist relevant, weil Anleger zuletzt genau beobachtet hatten, wie stark der KI-getriebene Strombedarf von Rechenzentren tatsächlich zur Auftragslage beiträgt.

Kurs unter dem Rekordhoch, Umbau zu Omterra läuft

An der Börse notiert die Aktie am heutigen Montag bei 154,88 Euro, ein Plus von 0,90 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Zuwachs von 28,64 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das im April markiert wurde, fehlen dem Papier aktuell 20,73 Prozent – die Aktie hat sich von ihrem Rekordniveau also spürbar entfernt, notiert aber weiterhin deutlich über ihrem Tief vom September vergangenen Jahres.

Parallel zum operativen Fortschritt treibt Siemens Energy den bereits Mitte Juli angekündigten Umbau der Konzernmarke voran. Siemens Energy und Siemens Gamesa Renewable Energy sollen unter der neuen Marke „Omterra“ zusammengeführt werden, der Rebranding-Prozess startet in Etappen im weiteren Jahresverlauf. Hintergrund ist auch eine finanzielle Komponente: Für die Nutzung der Marke Siemens zahlte der Konzern im vergangenen Jahr eine Lizenzgebühr von rund 300 Millionen Euro, die zugrunde liegende Vereinbarung läuft laut POWER Magazine bis 2030.

Bei den Analystenhäusern zeigte sich Mitte Juli ein gespaltenes Bild: Barclays-Analyst Vlad Sergievskii hob sein Kursziel am 13. Juli von 110 auf 130 Euro an, stufte die Aktie aber zugleich von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab. JPMorgan bestätigte am selben Tag ein Kursziel von 235 Euro bei der Einstufung „Overweight“. Beide Einschätzungen liegen inzwischen fast vier Wochen zurück und markieren damit eher den Stimmungsstand vor den jüngsten Rekordzahlen als eine aktuelle Bewertung.

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