Siemens Healthineers Aktie: 67 auf unter 40 Prozent geplant

Siemens Healthineers investiert 650 Mio. Euro in deutsche Standorte, senkt aber die Umsatzprognose wegen des schwachen Chinageschäfts. Die Siemens-Abspaltung rückt näher.

Die Kernpunkte:
  • CEO fordert mehr Eigeninitiative
  • 650 Mio. Euro Investitionen in Deutschland
  • Umsatzprognose wegen China gesenkt
  • Siemens plant Abspaltung von Anteilen

In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der dpa hat Bernhard Montag, Vorstandsvorsitzender von Siemens Healthineers, deutliche Kritik an der aktuellen Debattenkultur in der deutschen Wirtschaft geäußert. Er bemängelte die ausgeprägte Anspruchshaltung vieler Führungskräfte gegenüber der Politik und forderte stattdessen mehr Eigeninitiative und eine positivere Grundhaltung.

Das Unternehmen selbst unterstreicht diesen Kurs durch massive Investitionen im Inland. In den vergangenen Jahren flossen rund 650 Millionen Euro in die deutschen Standorte des Medizintechnikkonzerns.

Bekenntnis zum Standort Deutschland

Trotz der oft kritisierten Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik baut Siemens Healthineers seine Präsenz vor Ort weiter aus. Laut Montag sind derzeit mehr als 20 Prozent der weltweiten Belegschaft in Deutschland beschäftigt, wobei die Zahl der Mitarbeiter zuletzt weiter angestiegen ist.

Der CEO sieht das Unternehmen als Beispiel dafür, dass hochmoderne Produktion und Entwicklung hierzulande erfolgreich realisiert werden können, sofern die Innovationskraft im Vordergrund steht.

Parallel dazu bereitet sich die Führungsebene auf personelle Veränderungen in wichtigen Absatzmärkten vor. João Seabra, bisher Leiter der Enterprise Services, wird zum 1. Oktober die Position als President und Head of the Americas übernehmen. Er tritt damit die Nachfolge von John Kowal an und übernimmt die Verantwortung für eine Region, die maßgeblich zum Unternehmenserfolg beiträgt.

Operative Herausforderungen und struktureller Wandel

Das operative Geschäft zeigte sich zuletzt zweigeteilt. Ende Juli meldete das Unternehmen für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 5,76 Milliarden Euro, was einem Plus von 2,8 Prozent entspricht.

Der Gewinn legte deutlich um 20 Prozent auf 676 Millionen Euro zu, was jedoch primär auf eine Rückerstattung von US-Zöllen zurückzuführen war. Während das Diagnostikgeschäft insbesondere in China unter Druck steht, verzeichnete das Kerngeschäft eine robuste Auftragsentwicklung.

Aufgrund der anhaltenden Schwäche auf dem chinesischen Markt wurde die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 3,5 bis 4,0 Prozent angepasst. Zuvor war das Management von bis zu 5,0 Prozent ausgegangen. Gleichzeitig wurde die Erwartung für das Ergebnis je Aktie (EPS) auf 2,35 bis 2,45 Euro angehoben, begünstigt durch die Sondereffekte aus den USA.

Ein entscheidender Wendepunkt für die Aktionärsstruktur zeichnet sich unterdessen bei der Muttergesellschaft Siemens AG ab. Vor rund zwei Wochen wurde bekannt, dass der Großaktionär seine Beteiligung an Siemens Healthineers im kommenden Jahr von derzeit 67 Prozent auf unter 40 Prozent senken möchte.

Geplant ist eine Direktabspaltung von 30 Prozent der Anteile an die eigenen Aktionäre. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für diesen Schritt wurden nach Unternehmensangaben bereits mit den Finanzbehörden geklärt.

Analysten blicken auf das Chinageschäft

Die Marktexperten bewerten die langfristigen Aussichten trotz der regionalen Dämpfer überwiegend zuversichtlich. Die Analystin Susannah Ludwig von Bernstein Research bestätigte am 4. August ihr „Outperform“-Rating für die Aktie.

Zwar senkte sie das Kursziel leicht von 45,70 Euro auf 44,50 Euro, verwies jedoch auf die Stärke des Auftragsbuchs, die die Belastungen aus dem Diagnostikbereich in China mittelfristig kompensieren dürfte. Medienberichten zufolge lag der Konsens der Analysten Mitte August bei einem mittleren Kursziel von 44,99 Euro.

An der Börse spiegelte sich die Zuversicht zuletzt in einer deutlichen Erholung wider. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei einem Schlusskurs von 39,97 Euro. Damit hat das Papier in den vergangenen 30 Tagen ein Kursplus von 16 Prozent erzielt. Durch diese Aufwärtsbewegung notiert der Wert nun wieder rund 2,2 Prozent über seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, der als wichtiger Indikator für den langfristigen Trend gilt.

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