Siemens Healthineers Aktie: EPS-Ziel auf 2,45 Euro angehoben
Siemens Healthineers senkt Umsatzprognose wegen schwacher Labordiagnostik, hebt aber dank US-Zollrückerstattung das EPS-Ziel an.

- Umsatzprognose wegen Diagnostik-Schwäche gesenkt
- EPS-Ziel dank Zollrückerstattung angehoben
- Starke Nachfrage bei Photon-Counting-CT
- Partnerschaften mit US-Kliniken geschlossen
Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers hat gestern seinen Bericht zum dritten Geschäftsquartal vorgelegt und dabei ein gemischtes Bild gezeichnet. Während die Erlöse im Diagnostik-Geschäft deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben und das Management zu einer Senkung der Umsatzprognose zwangen, sorgte ein Sondereffekt für Optimismus bei der Gewinnentwicklung. Eine umfangreiche Rückerstattung von US-Zöllen erlaubt es dem Unternehmen, die Ziele für das Ergebnis je Aktie nach oben zu korrigieren.
Diagnostik-Schwäche in China bremst Wachstum
Im abgelaufenen dritten Quartal, das am 30. Juni endete, steigerte Siemens Healthineers den Umsatz auf vergleichbarer Basis um 2,8 Prozent auf rund 5,76 Milliarden Euro. Damit verfehlte das Unternehmen jedoch die ursprünglichen Wachstumsziele. Hauptverantwortlich dafür ist die Sparte Labordiagnostik, deren Erlöse um 5,5 Prozent sanken. Insbesondere das Geschäft in China gestaltet sich schwierig, wo das Marktumfeld laut Konzernangaben erheblichen Druck ausübt. Zudem belastet das Auslaufen älterer Analyse-Systeme die Bilanz in diesem Segment.
Als Reaktion auf diese Entwicklung passte der Vorstand die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2025/26 an. Das Unternehmen erwartet nun nur noch ein vergleichbares Umsatzwachstum zwischen 3,5 und 4,0 Prozent. Zuvor war Siemens Healthineers von einer Spanne zwischen 4,5 und 5,0 Prozent ausgegangen. Während die Diagnostik bremst, zeigten sich andere Bereiche robuster: Die Sparte Precision Therapy verzeichnete ein deutliches Plus von 9,2 Prozent, und auch das Kernsegment Bildgebung (Imaging) konnte um 2,3 Prozent zulegen.
Gewinnprognose trotz Umsatzwarnung angehoben
Trotz der gedämpften Umsatzerwartungen blickt das Management beim Ertrag zuversichtlicher in die Zukunft. Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) soll im laufenden Geschäftsjahr nun zwischen 2,35 Euro und 2,45 Euro liegen. Das sind 15 Cent mehr als in der bisherigen Planung von 2,20 Euro bis 2,30 Euro. Grund für diesen Sprung ist die Rückerstattung von US-Zöllen, nachdem der Supreme Court bestimmte Zollregelungen für unwirksam erklärt hatte.
Dieser Einmaleffekt spiegelte sich bereits im dritten Quartal wider. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 16 Prozent auf 1,10 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 676 Millionen Euro. Ohne die Zollrückerstattungen hätte die bereinigte operative Marge bei etwa 15,4 Prozent gelegen, unter Einbezug der Effekte erreichte sie 19,1 Prozent. Das Papier beendete den Handel am Freitag bei 37,20 Euro. Damit notiert der Kurs aktuell 6,69 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, wenngleich die Aktie seit Jahresbeginn noch ein Minus von 17,19 Prozent aufweist.
Strategische Partnerschaften und Auftragsbestand als Stütze
Ein Lichtblick für Investoren bleibt die weiterhin hohe Nachfrage nach medizintechnischen Geräten. CEO Bernd Montag betonte eine „großartige Auftragsdynamik“. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill) lag im dritten Quartal bei 1,27. Besonders technologische Innovationen wie die Photon-Counting-Computertomographen, die bereits 30 Prozent der CT-Bestellungen ausmachen, und DryCool-MRT-Systeme stützen das Orderbuch.
Zudem sicherte sich der Konzern langfristige Partnerschaften mit bedeutenden US-Gesundheitsdienstleistern wie der Cleveland Clinic und Vanderbilt Health. Analyst Julien Dormois von Jefferies bestätigte nach den Zahlen seine Einstufung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 50 Euro und verwies darauf, dass die operative Marge ohne die Zolleffekte im Rahmen der Erwartungen lag. Kritischer äußerte sich Sam England von Berenberg: Er belässt die Aktie auf „Hold“ mit einem Kursziel von 39 Euro und bezeichnete das Zahlenwerk als durchwachsen, da die Diagnostik ein erheblicher Hemmfaktor bleibe. Neben der Restrukturierung dieses Bereichs bleibt auch die angekündigte Entflechtung von der Siemens AG ein Thema, die jedoch frühestens für April 2027 erwartet wird.
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