Silber: 3,21 Prozent Ausverkauf auf 65,81 Dollar
Der Silberpreis fällt um über 13 Prozent im Monat, belastet durch Zinserhöhungsängste und einen starken US-Dollar.

- Täglicher Kursrutsch von 3,21 Prozent
- Fed-Zinserwartungen belasten Edelmetall
- Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen
- Gold-Silber-Ratio steigt auf 62
Starke Fundamentaldaten, schwache Kurse. Beim Silberpreis klaffen Realität und Marktstimmung aktuell weit auseinander. Das Edelmetall beendete die Handelswoche bei 65,81 US-Dollar je Feinunze. Das entspricht einem Tagesverlust von satten 3,21 Prozent. Auf Monatssicht summieren sich die Abschläge bereits auf über 13 Prozent.
Fed-Rhetorik schlägt Geopolitik
Die US-Notenbank diktiert das Geschehen. Der jüngste Fed-Dot-Plot spaltet den Markt. Neun der 19 Ausschussmitglieder erwarten in diesem Jahr mindestens eine Zinserhöhung. Der US-Dollar kletterte daraufhin auf ein Einjahreshoch. Höhere Zinsen machen zinslose Anlagen wie Silber unattraktiv.
Parallel dazu verpuffte ein eigentlich positives Signal. Die USA und der Iran haben ein Friedensabkommen unterzeichnet. Edelmetallinvestoren ignorieren den Deal weitgehend. Sie fokussieren sich stattdessen auf die hartnäckige Inflation. Die Aussicht auf eine anhaltend straffe Geldpolitik drückt den Preis nach unten.
Defizit trifft auf Strukturwandel
Langfristig stützt ein massives Angebotsdefizit den Markt. Der World Silver Survey prognostiziert für das laufende Jahr eine Lücke von 46,3 Millionen Unzen. Die Gesamtnachfrage von gut einer Milliarde Unzen übersteigt die Minenproduktion deutlich. Das Defizit besteht damit im sechsten Jahr in Folge.
Innerhalb der Industrie verschieben sich derweil die Gewichte. Die Solarbranche reduziert den Silberanteil in ihren Modulen aggressiv. Der Einsatz in der Photovoltaik soll um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Unzen fallen. Die Folge: Neue Sektoren übernehmen die Führung. KI-Rechenzentren und die Autoelektronik fangen den Rückgang weitgehend auf.
Relativ günstig bewertet
Ein Blick auf das Gold-Silber-Ratio liefert ein weiteres Puzzleteil. Der Wert liegt aktuell bei 62. Er hat sich damit vom jüngsten Tief bei 43 deutlich erholt. Ein steigendes Ratio bedeutet: Silber ist im Verhältnis zu Gold günstiger geworden.
Auch charttechnisch ist die Lage angespannt. Der Preis notiert knapp 13 Prozent unter der 50-Tage-Linie von 75,43 US-Dollar. Der RSI-Indikator steht aktuell bei einem Wert von 38.
Für die kommenden Wochen bleibt die US-Notenbank der entscheidende Taktgeber. Fällt der nächste Inflationsbericht erneut hoch aus, droht Silber weiterer Abwärtsdruck. Institutionelle Analysten ziehen die Spanne entsprechend weit. Während TD Securities den Preis am Jahresende bei 44 US-Dollar sieht, prognostiziert J.P. Morgan einen Durchschnittswert von 81 US-Dollar.
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