Silber: 44 Prozent unter Allzeithoch

Starker Arbeitsmarktbericht lässt Silber um über acht Prozent fallen. Zinshoffnungen schwinden, das Edelmetall verliert an Wert.

Die Kernpunkte:
  • Tagesverlust von 8,3 Prozent
  • Tiefster Stand seit Ende März
  • Zinserwartungen belasten Silberkurs
  • Angebotsdefizit bleibt bestehen

Ein starker US-Arbeitsmarktbericht hat dem Silberpreis am Freitag einen harten Schlag versetzt. Mit einem Tagesverlust von 8,3 Prozent auf 67,96 USD fiel das Edelmetall auf den tiefsten Stand seit Ende März — und summiert die Verluste der vergangenen Woche auf über zehn Prozent.

Zinserwartungen kippen die Stimmung

Der Auslöser ist eindeutig: Die Beschäftigungszahlen für Mai übertrafen die Prognosen deutlich. Damit schwindet die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der Federal Reserve. Unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh preisen Marktteilnehmer zunehmend ein „Higher for longer“-Szenario ein.

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Für Silber ist das ein doppeltes Problem. Als zinsloses Asset leidet es unter steigenden Realrenditen — und ein stärkerer Dollar macht das Metall für internationale Käufer teurer. Gemessen am Allzeithoch von 121,78 USD vom Januar 2026 beläuft sich der Rückgang mittlerweile auf 44 Prozent.

Starke Fundamentaldaten, schwache Kurse

Das Paradoxe an der aktuellen Lage: Die Angebotssituation bleibt strukturell angespannt. Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste Defizitjahr in Folge. Die industrielle Nachfrage aus Photovoltaik, Elektromobilität und KI-Hardware hält sich auf Rekordniveau.

Allerdings überlagern makroökonomische Sorgen diesen stützenden Faktor gerade vollständig. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten — darunter eine maritime Blockade iranischer Seehäfen durch die USA — treiben Energiepreise und Inflationserwartungen. Das verengt den Spielraum für eine lockerere Geldpolitik weiter.

Zwei Schlüsselereignisse in dieser Woche

Die nächsten Tage bringen klärende Impulse. Am Mittwoch, 10. Juni, werden die US-Verbraucherpreisdaten für Mai veröffentlicht. Fallen sie hartnäckiger aus als erwartet, dürfte der Druck auf Silber anhalten. Einen Tag später, am 11. Juni, tagt die Europäische Zentralbank — Analysten rechnen mit neuen Projektionen, die Aufschluss über den weiteren Kurs der EZB geben.

Die Fed-Sitzung folgt am 16. und 17. Juni. Charttechnisch liegt die nächste Unterstützung im Bereich von 67 bis 68 USD — ein Niveau, das der Kurs bereits berührt. Hält diese Zone nicht, wären weitere Korrekturziele wahrscheinlich. Eine Stabilisierung oberhalb von 72 USD wäre hingegen das Mindestsignal für einen Erholungsversuch in Richtung 80 USD.

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