Silber: 46,3 Millionen Unzen Defizit 2026
Silber beendet die Handelswoche mit Verlusten, obwohl schwache Arbeitsmarktdaten aus den USA Zinssenkungshoffnungen nähren. Ein strukturelles Angebotsdefizit und negative Charttechnik belasten das Edelmetall zusätzlich.

- Wochenminus von knapp vier Prozent
- Angebotslücke bleibt strukturelles Problem
- Wichtige Unterstützungsmarke unterschritten
- J.P. Morgan sieht Jahresdurchschnitt bei 81 Dollar
Ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht sollte Silber eigentlich Auftrieb geben. Zinslose Edelmetalle profitieren normalerweise von sinkenden Zinserwartungen. Trotzdem beendet Silber die Woche tiefer, nicht höher — die erhoffte Erholung verpufft.
Am Freitag schließt Silber bei 60,26 US-Dollar, ein Minus von 0,21 Prozent auf Tagesbasis. Die Wochenbilanz fällt mit einem Rückgang von 3,93 Prozent deutlicher aus. Auf Monatssicht steht ein Minus von 5,11 Prozent, seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf 16,62 Prozent.
Schwache Jobdaten reichen nicht
Auslöser der kurzzeitigen Kursbewegung war der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag. Die US-Wirtschaft schuf im vergangenen Monat nur 57.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Das liegt weit unter den Erwartungen der Analysten.
Ein schwacher Bericht drückt normalerweise den Dollar. Er schürt zudem Spekulationen auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank. Trotz dieses Rückenwinds kann sich Silber nicht nachhaltig stabilisieren.
Der Blick auf die längerfristige Entwicklung relativiert das Bild zusätzlich. Vom Rekordhoch bei 121,78 US-Dollar aus Ende Januar liegt der Kurs jetzt 50,52 Prozent tiefer. Zum 52-Wochen-Tief bei 45,51 US-Dollar von Ende Oktober beträgt der Abstand noch 32,40 Prozent.
Angebotsdefizit bleibt strukturelles Thema
Neben den kurzfristigen Zinssignalen bleibt ein fundamentaler Faktor bestehen: die globale Angebotslücke bei Silber. Reuters rechnet für 2026 mit einem Defizit von 46,3 Millionen Unzen. Im Vorjahr lag die Lücke bei 40,3 Millionen Unzen — es wäre bereits das sechste Jahr in Folge mit einem Angebotsdefizit.
Diese Knappheit hat einen strukturellen Grund. Rund 70 Prozent des weltweiten Silberangebots fallen nur als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Blei und Zink an. Die Förderung reagiert deshalb kaum auf steigende Preise, das verschärft die Knappheit zusätzlich.
Charttechnik zeigt Schwäche
Die zuvor als Unterstützung geltende Marke bei 61,01 US-Dollar hat der Kurs mittlerweile unterschritten. Die nächste Bewährungsprobe auf der Oberseite wartet zwischen 64,00 und 64,50 US-Dollar. Ein Ausbruch über diese Zone könnte den Weg zur 70-Dollar-Marke öffnen.
Auf der Unterseite bleiben die gleitenden Durchschnittslinien eine klare Hürde. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 70,30 US-Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 73,36 US-Dollar. Silber notiert damit rund 14 bis 18 Prozent unter beiden Linien.
Der RSI von 40,6 zeigt ein neutrales bis leicht schwaches Bild. Weder überkauft noch überverkauft, aber klar unter der Mittellinie. Die annualisierte Volatilität von gut 51 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt derzeit handelt.
Berichtssaison rückt in den Fokus
Ab Montag startet die Berichtssaison für das zweite Quartal. Sie dürfte Aufschluss über die Robustheit der Weltwirtschaft geben. Investoren dürften zudem weitere Aussagen von Notenbankern genau verfolgen, um künftige Zinsschritte einzuschätzen.
Auf Analystenseite bleibt die mittelfristige Einschätzung trotz der jüngsten Schwäche konstruktiv. Die Analysten von J.P. Morgan gehen für den Jahresdurchschnitt 2026 weiterhin von rund 81 US-Dollar aus. Voraussetzung dafür ist ein enger physischer Markt und eine weitere Lockerung der Zinspolitik.
Kurzfristig bleibt die Gemengelage entscheidend: schwache US-Arbeitsmarktdaten treffen auf ein strukturelles Angebotsdefizit, aber auch auf eine Charttechnik, die zunächst weitere Verkaufsdruck signalisiert. Ob die Marke zwischen 64,00 und 64,50 US-Dollar in der kommenden Woche überhaupt in Reichweite kommt, hängt maßgeblich von neuen Signalen der Notenbanker ab.
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