Silber: 46,3 Millionen Unzen Defizit erwartet

Silber steigt auf 76,47 USD, während das sechste Defizitjahr in Folge und sinkende Lagerbestände den Markt belasten.

Die Kernpunkte:
  • Silberpreis klettert um 2,12 Prozent
  • Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen
  • Solarindustrie setzt auf Ersatzstoffe
  • Fed-Sitzung als wichtiger Kurstreiber

Silber kletterte am 2. Juni um 2,12 Prozent auf 76,47 USD je Feinunze. Nach dem Absturz vom Allzeithoch bei über 121 USD im Januar könnte die Bewegung eine Trendwende markieren. Anleger reagieren auf technische Erholungssignale und eine physische Versorgungslage, die zunehmend angespannt bleibt.

Sechstes Defizitjahr in Folge

Der globale Silbermarkt steuert 2026 auf ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen zu. Das entspricht einer Ausweitung gegenüber dem Vorjahr, als die Lücke bei 40,3 Millionen Unzen lag. Seit 2021 haben Marktteilnehmer kumuliert rund 866 Millionen Unzen aus oberirdischen Lagerbeständen entnommen, um Förderlücken zu schließen.

Die Pufferkapazitäten schwinden. Analysten warnen vor steigender Anfälligkeit für plötzliche Preisausschläge, sobald physische Lieferengpässe auftreten. Das strukturelle Ungleichgewicht stützt den Preis, kann ihn aber nicht allein treiben.

Solarbranche dreht an der Schraube

Die Solarindustrie forciert den Einsatz von Ersatzstoffen. Kupfer und silberbeschichtete Alternativen ersetzen zunehmend das Edelmetall in der Photovoltaik-Fertigung. Grund ist der Margendruck bei Modulherstellern, die unter hohen Rohstoffkosten leiden.

Bank of America geht davon aus, dass die industrielle Nachfrage aus dem Solarsektor ihren Höhepunkt bereits 2025 überschritten hat. Andere Hochtechnologiebereiche wie KI-Infrastruktur und Automobil-Elektronik fangen einen Teil der Rückgänge auf. Silber bleibt dort aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften nahezu unersetzlich. Die „Entsilberung“ in der Massenfertigung von Solarmodulen können sie jedoch nicht vollständig kompensieren.

FOMC-Sitzung als Kurstreiber

Die kurzfristige Preisgestaltung hängt maßgeblich von der US-Geldpolitik ab. Am 16. und 17. Juni tagt der Offenmarktausschuss unter der Führung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Es ist seine erste Sitzung. Anleger hoffen auf klare Signale zum künftigen Zinspfad.

Die Märkte preisen derzeit eine Zinspause ein. Hohe Realrenditen lasten weiterhin auf Silber, das als zinsloses Asset direkt mit festverzinslichen Wertpapieren konkurriert. Sollte Warsh eine weniger restriktive Haltung signalisieren, könnte das Edelmetall die psychologisch wichtige Marke von 80 USD durchbrechen. Die kommenden Tage bis zum 5. Juni gelten unter Analysten als kritisches Zeitfenster für die Bestätigung des Aufwärtstrends.

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