Silber Preis: 10,41 Prozent in sieben Tagen

Silber erreicht dank chinesischer Solarnachfrage und sechsjährigem Angebotsdefizit den höchsten Stand seit sieben Wochen. US-Zinsdaten stützen den Anstieg.

Die Kernpunkte:
  • Silberpreis erreicht Sieben-Wochen-Hoch
  • Chinas Solarindustrie treibt Silbernachfrage
  • Sechstes Jahr mit Angebotsdefizit erwartet
  • US-Arbeitsmarktdaten stützen Edelmetall

219.000 Tonnen Silbererz importierte China im Juni. Das ist ein Anstieg von 62,5 Prozent zum Vorjahr. Der Silberpreis reagiert prompt: Am Freitag schloss das Edelmetall bei 63,79 US-Dollar je Feinunze, dem höchsten Stand seit sieben Wochen.

Allein in den vergangenen sieben Handelstagen legte der Kurs um 10,41 Prozent zu. Die Rally speist sich aus mehreren Quellen gleichzeitig: robuster Industrienachfrage aus China, einem strukturellen Angebotsdefizit und neuen Zinserwartungen in den USA.

Chinesische Solarindustrie zieht Nachfrage an

China kauft mehr Silber – und der Grund liegt in der Solarbranche. Die Produktion von Solarpanels und Stromnetzen wächst. Beide Industrien benötigen große Mengen des Metalls.

Silber ist längst kein reines Anlagemetall mehr. Rund die Hälfte der weltweiten Nachfrage stammt aus industriellen Anwendungen wie Solarmodulen, Elektronik und Medizintechnik. Das macht den Preis empfindlich für Konjunktur- und Technologietrends.

Sechs Jahre Angebotsdefizit in Folge

Der eigentliche Preistreiber liegt aber tiefer: Der Silbermarkt steckt laut dem Silver Institute seit 2021 in einer durchgehenden Angebotslücke. 2025 lag das Defizit bei geschätzten 95 Millionen Unzen.

Für 2026 rechnen Marktbeobachter mit einem sechsten Defizitjahr in Folge – diesmal mit rund 67 Millionen Unzen. Über den gesamten Zeitraum von 2021 bis 2026 nähert sich der kumulierte Fehlbetrag der Marke von einer Milliarde Unzen. Diese Lücke zeigt sich längst in den Lagerbeständen der großen Handelsplätze.

Die registrierten Bestände an der COMEX sind seit 2020 um rund 70 Prozent gesunken. Die Tresore der Londoner LBMA verzeichnen ebenfalls erhebliche Abflüsse. Die Leasingraten für Silber in London kletterten dadurch auf ungewöhnlich hohe Niveaus.

Physisches Horten in den USA verschärft die Lage zusätzlich. Amerikanische Unternehmen lagern mittlerweile über 500 Millionen Unzen Silber im eigenen Land. An der Londoner Börse macht sich das bemerkbar: Der Markt geriet in Backwardation. Produzenten weltweit zahlten höhere Prämien für physisches Material.

Fed-Daten und Nahost-Risiken bewegen den Kurs

Zur strukturellen Story kommt ein geldpolitischer Faktor. Neue US-Beschäftigungsdaten zeigten einen unerwarteten Rückgang der Lohnabrechnungen. Das schränkt den Spielraum der Fed für weitere Zinsschritte gegen die Inflation ein – niedrigere Zinsen machen zinslose Anlagen wie Silber attraktiver.

Ganz sorglos ist die Stimmung trotzdem nicht. Anhaltende Risiken einer Eskalation der Energiepreise halten den Kurs relativ nah am Sieben-Monats-Tief von 55 US-Dollar vom 16. Juli. Zum bisherigen Rekordhoch von 121,78 US-Dollar aus dem Januar fehlen dem Metall aktuell noch 47,62 Prozent.

Kurzfristige Ausschläge dürften weiterhin von der US-Zinspolitik und der Nachrichtenlage im Nahen Osten abhängen. Fällt der Kurs zurück in Richtung des Sieben-Monats-Tiefs von 55 US-Dollar, rückt die Zinsdebatte wieder in den Vordergrund. Die fundamentale Basis aus chinesischer Industrienachfrage und schrumpfenden Lagerbeständen bleibt davon unberührt.

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