Silber Preis: 20-Prozent-Crash im Juni

Geopolitische Entspannung und Zinsdruck lassen Silberpreis um über 20 Prozent fallen. Makrofonds stoßen Bestände ab.

Die Kernpunkte:
  • Preissturz von über 20 Prozent
  • US-iranisches Abkommen belastet
  • Fed-Hochzinspolitik drückt Nachfrage
  • Industriebedarf kann Verluste nicht stoppen

Der Juni geht als Schockmonat in die Geschichtsbücher ein. Seit 2011 erlebte das Edelmetall keinen derart dramatischen Einbruch mehr. Silber stürzte um über 20 Prozent ab. Die Folge: Makrofonds werfen ihre Bestände massiv auf den Markt. Aktuell ringt der Kurs um eine Stabilisierung.

Die geopolitische Prämie verpufft

Ein zentraler Auslöser für den Preissturz liegt im Nahen Osten. Mitte Juni unterzeichneten die USA und der Iran das sogenannte „Islamabad-Memorandum“. Das diplomatische Abkommen sichert die Schifffahrt in der Straße von Hormus.

Diese Entspannung entzieht dem Silbermarkt seine bisherige Risikoprämie. Zuvor hatten institutionelle Investoren das Metall als geopolitische Absicherung gekauft. Nun bauen sie diese Positionen rasant ab. Das drückt den Preis massiv nach unten.

Zinsdruck aus Washington

Parallel dazu belastet die harte Linie der US-Notenbank. Die Federal Reserve hält den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Sie reagiert damit auf eine hartnäckige Inflation. Die Teuerung soll im laufenden Jahr bei 3,6 Prozent liegen.

An den Terminmärkten preisen Händler bereits den nächsten Schritt ein. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September liegt bei über 60 Prozent. Währenddessen werfen zehnjährige US-Staatsanleihen rund 4,47 Prozent Rendite ab. Das macht zinslose Anlagen wie Edelmetalle für Kapitalanleger extrem unattraktiv.

KI-Boom gegen Solar-Schwäche

Abseits der Finanzmärkte verändert sich die industrielle Basis. Die Solarbranche verbaut durch effizientere Techniken immer weniger Silber pro Modul. Kupfer ersetzt das Edelmetall zunehmend.

Dafür wächst der Bedarf an hochleitfähigen Materialien für den Ausbau globaler Rechenzentren. Die Produktion von Hochleistungschips treibt die Silbernachfrage in diesem Segment jährlich um etwa 25 Prozent nach oben. Dennoch reichte dieser reale Industriebedarf zum Quartalswechsel nicht aus. Spekulative Anleger schichteten ihre Portfolios schlichtweg zu aggressiv um.

Der Blick auf den Arbeitsmarkt

Charttechnisch bleibt das Bild nach dem Bruch wichtiger Trendlinien stark eingetrübt. Den nächsten fundamentalen Impuls liefern die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten.

Fällt der Stellenaufbau robust aus, untermauert das den Hochzinskurs der Notenbank. In diesem Szenario rückt die Unterstützungszone bei 56 US-Dollar direkt in den Fokus. Für eine nachhaltige Trendwende muss Silber die Marke von 60 US-Dollar spürbar zurückerobern.

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