Silber Preis: 2,2 Prozent Minus auf 57,10 Dollar
Nachlassende Spannungen am Golf und die anstehende US-Zinsentscheidung setzen den Silberpreis unter Druck. Auch Gold gibt nach.

- Silber verliert über ein Prozent
- Entspannung am Golf dämpft Krisennachfrage
- Fed-Entscheidung sorgt für Unsicherheit
- Santacruz steigert Silberproduktion deutlich
Der Silberpreis ist am heutigen Dienstag unter Druck geraten. Laut FXStreet fiel das Edelmetall um 1,45 Prozent auf 57,55 US-Dollar je Feinunze. Reuters berichtete am selben Tag von einem noch deutlicheren Rückgang um 2,2 Prozent auf 57,10 US-Dollar. Auslöser ist eine Gemengelage aus nachlassenden geopolitischen Risiken und der Erwartung einer richtungsweisenden Fed-Entscheidung.
Entspannung am Golf drückt auf die Nachfrage nach sicheren Häfen
Im Zentrum steht die Straße von Hormuz. Oman hat dem Iran einen von mehreren Golfstaaten unterstützten Plan vorgelegt, der freiwillige Transitgebühren für die Nutzung der Meerenge vorsieht – angelehnt an das Modell der Straße von Malakka. US-Präsident Donald Trump sprach von „guten Gesprächen“ und stellte eine „gute Chance“ auf eine Einigung in Aussicht, warnte aber zugleich, die Angriffe könnten wieder aufgenommen werden, sollten die Verhandlungen scheitern. Der Iran selbst dementiert direkte Gespräche mit den USA und wirft Washington vor, mit einer neuen Hormuz-Route eine frühere Vereinbarung zu verletzen.
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hält nach Angaben aus dem Umfeld der Gespräche bereits seit mehreren Tagen. Das dämpft die Sorge vor einer Eskalation am Golf und nimmt dem Silber einen Teil seiner Funktion als Krisenabsicherung. Gleichzeitig fiel auch der Ölpreis deutlich zurück, was Inflationssorgen etwas lindert und den Reiz von Edelmetallen als Absicherung zusätzlich schmälert. Auch Gold blieb nicht verschont: Der Preis gab um 1,1 Prozent auf 4.032,42 US-Dollar je Feinunze nach, während der Dollar nahe seinem Einmonatshoch verharrte.
Fed-Entscheidung als nächster Belastungstest
Die US-Notenbank entscheidet an diesem Mittwoch über ihren Leitzins, und die Unsicherheit unter Anlegern ist groß. Einer Umfrage zufolge rechnen 63,5 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinspause, während 36,5 Prozent eine Anhebung um 25 Basispunkte erwarten. Fed-Chef Kevin Warsh gilt als zurückhaltend mit Signalen für die kommenden Monate, was die Nervosität zusätzlich erhöht. Die Bank of America rechnet für das laufende Jahr sogar mit drei weiteren Zinsschritten, während JPMorgan von einer Pause ausgeht. Andere Häuser sehen den Leitzins bis Ende 2027 unverändert.
Für Silber ist diese Gemengelage doppelt relevant: Ein starker Dollar und steigende Realzinsen verteuern das zinslose Edelmetall tendenziell, während die nachlassende geopolitische Prämie zusätzlich Verkaufsdruck erzeugt. Commerzbank-Analysten haben ihre Goldpreisprognose bereits auf 4.500 US-Dollar gesenkt – ein Hinweis darauf, dass auch bei Silber die Erwartungen an weitere Kursgewinne vorsichtiger werden könnten, sollte sich die Entspannung an mehreren Fronten fortsetzen.
Produzenten liefern robuste Zahlen
Auf der Angebotsseite meldete Santacruz Silver Mining für das zweite Quartal 2026 eine Produktion von 1.573.100 Unzen Silber sowie 23.240 Tonnen Zink – ein Anstieg der Silberförderung um 17 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Besonders die Mine Bolivar legte mit einem Plus von 32 Prozent kräftig zu. Solche operativen Fortschritte bei den Produzenten ändern zwar kurzfristig wenig an der Preisrichtung, unterstreichen aber, dass die physische Angebotsseite intakt bleibt, während die Preisbewegung derzeit vor allem von Makrofaktoren getrieben wird.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus Zinspolitik und geopolitischer Lage entscheidend. Sollte sich am Mittwoch eine klare Linie der Fed abzeichnen oder die Gespräche zwischen Washington und Teheran weiter Fortschritte machen, dürfte sich zeigen, ob der jüngste Rückgang nur eine Verschnaufpause ist oder der Beginn einer breiteren Korrektur.
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