Silber Preis: 4,2% Inflation drückt auf 64,645 Dollar

Höhere US-Inflationszahlen setzen den Silberpreis unter Druck, während ein Angebotsdefizit die Verluste begrenzt.

Die Kernpunkte:
  • US-Inflation steigt auf 4,2 Prozent
  • Silber fällt auf 64,645 Dollar
  • Industrienachfrage zeigt gemischtes Bild
  • Angebotsdefizit stützt den Markt

US-Inflationsdaten haben den Silberpreis unter Druck gesetzt. Im Mai stiegen die Verbraucherpreise um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr — deutlich mehr als die 3,8 Prozent im April. Für Edelmetalle ist das eine schlechte Kombination: höhere Inflation, festerer Dollar, steigende Renditen.

Warum die Zahlen Silber belasten

Der Energieindex trieb den Anstieg maßgeblich. Er legte im Mai um 3,9 Prozent zu und lag auf Jahressicht 23,5 Prozent höher. Mehr als 60 Prozent des monatlichen Gesamtanstiegs entfielen allein auf Energie.

Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel stieg um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das liegt weiter über dem Fed-Ziel. Für die Notenbank bleibt damit wenig Spielraum, vor ihrer nächsten Sitzung am 16. und 17. Juni einen lockereren Ton anzuschlagen.

Spot-Silber fiel nach den Daten auf 64,645 Dollar je Unze — ein Minus von 1,06 Prozent. Höhere Renditen und ein starker Dollar machen zinssensitive Anlagen wie Silber teurer zu halten.

Industrienachfrage: gemischtes Bild

Silber ist kein reines Edelmetall. Rund die Hälfte der Nachfrage kommt aus der Industrie — und dort entwickeln sich die Teilmärkte unterschiedlich.

Das Silver Institute erwartet für 2026, dass die industrielle Verarbeitung um 2 Prozent auf rund 650 Millionen Unzen sinkt. Der Photovoltaiksektor bremst: Trotz steigender Solarinstallationen weltweit geht der Silberverbrauch durch Materialeinsparungen zurück.

Gegenläufig wirken Rechenzentren, KI-Infrastruktur und Automobilanwendungen. Diese Bereiche stützen die industrielle Nachfrage strukturell.

Angebotsdefizit als Puffer

Auf der Angebotsseite bleibt der Markt angespannt. Das Silver Institute rechnet für 2026 mit dem sechsten Defizitjahr in Folge. Das erwartete Defizit liegt bei 46,3 Millionen Unzen.

Diese strukturelle Knappheit begrenzt, wie stark makroökonomischer Gegenwind den Preis drücken kann. Höhere Renditen belasten kurzfristig — aber ein dauerhaftes Angebotsdefizit stützt die physische Marktseite.

Zwei Kräfte ziehen also in entgegengesetzte Richtungen. Kurzfristig hat der makroökonomische Druck die Oberhand. Ob das so bleibt, hängt davon ab, wie die Fed die energie-getriebene Inflation bewertet: als vorübergehend oder als Grund für einen länger restriktiven Kurs. Die FOMC-Sitzung nächste Woche liefert die erste Antwort.

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