Silber Preis: 46 Millionen Unzen Defizit 2026
Silber erholt sich auf 58,19 Dollar, nachdem Zinsängste und ein starker Dollar den Kurs zuvor auf den tiefsten Stand seit November 2025 gedrückt hatten.

- Preiserholung nach heftigen Verlusten
- Zinsängste belasten das Edelmetall
- Angebotsdefizit bleibt bestehen
- Fokus auf PCE-Inflationsdaten
Ein massives Angebotsdefizit trifft auf nackte Zinsangst. Bei Silber klaffen fundamentale Realität und Marktstimmung derzeit weit auseinander. Am Freitag erholte sich der Preis leicht auf 58,19 Dollar je Feinunze. Zuvor erlebte das Edelmetall eine der turbulentesten Handelswochen des Jahres.
Zinsangst als Preiskiller
Am Donnerstag rutschte der Kurs unter die Marke von 57 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit November 2025. Der starke US-Dollar und die Angst vor neuen Zinsschritten treiben die Anleger in die Flucht.
Den Auslöser lieferte die Bank of America. Die Analysten prognostizieren drei Zinsschritte der US-Notenbank Fed. Insgesamt rechnen sie mit einem Aufschlag von 75 Basispunkten. Der Leitzins würde damit auf bis zu 4,50 Prozent steigen. Die Märkte preisen eine Erhöhung im September inzwischen mit 68 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 29 Prozent.
Die Folge: Ein toxisches Umfeld für Silber. Das Metall wirft keine Zinsen ab. Steigen die Anleiherenditen, wandert das Kapital ab. Ein starker Dollar macht das in US-Währung gehandelte Silber für ausländische Käufer zusätzlich teuer.
Tech-Krise und Inflationsdaten
Hinzu kommt ein Spillover-Effekt aus dem Aktienmarkt. US-Technologiewerte brachen zuletzt scharf ein. Viele Investoren mussten ihre Edelmetallpositionen auflösen, um Verluste in anderen Portfoliobereichen auszugleichen.
Erste Hinweise auf die weitere Geldpolitik liefert der PCE-Inflationsindex vom Donnerstag. Die Ausgangslage ist klar. Der allgemeine Verbraucherpreisindex lag im Mai bei 4,2 Prozent. Dieser Anstieg resultierte primär aus einem massiven Energieschock durch den Iran-Konflikt. Die Kerninflation verharrte bei 2,9 Prozent. Bestätigt der PCE-Index dieses Bild, könnte die Fed aufatmen. Eine rein ölgetriebene Inflation lässt sich durch höhere Zinsen kaum bekämpfen.
Angebotsdefizit stützt den Markt
Trotz des makroökonomischen Gegenwinds bleibt die physische Nachfrage enorm. Das Silver Institute erwartet für 2026 das sechste Angebotsdefizit in Folge. Es fehlen voraussichtlich über 46 Millionen Feinunzen. Der Bergbau liefert nicht genug Nachschub, da Silber meist nur als Nebenprodukt abfällt. Parallel dazu verschlingen Solarindustrie und Rechenzentren das Material dauerhaft.
Im Vergleich zu Gold zeigt Silber derzeit Schwäche. Das Gold-Silber-Ratio erholte sich zuletzt auf 64. Im Mai war der Wert noch auf 55 gesunken. Silber hat sich damit relativ gesehen verbilligt, notiert aber noch unter dem langfristigen Durchschnitt von 70.
Seit Jahresbeginn hat Silber rund 13 Prozent an Wert verloren. Vom Rekordhoch im Januar trennen den Kurs fast 47 Prozent. Ob die jüngste Erholung hält, hängt nun stark von den Inflationsdaten ab. Zeigt der PCE-Index sinkende Raten, könnte der Verkaufsdruck auf das Edelmetall spürbar nachlassen.
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