Silber Preis: 4,6% Sprung auf Waffenstillstands-Hoffnung
Silber zeigt sich volatil zwischen Nahost-Waffenstillstand und steigenden US-Inflationszahlen, die Zinssenkungserwartungen dämpfen.

- Kursausschlag durch Waffenstillstands-Hoffnung
- US-Inflationsdaten belasten Edelmetallstimmung
- Sechstes globales Angebotsdefizit erwartet
- Wichtige US-Arbeitsmarktdaten in Aussicht
Silber pendelt zwischen geopolitischem Hoffnungsschimmer und makroökonomischer Realität. Am Freitag schoss der Kurs zunächst um 4,6 Prozent nach oben — Auslöser war eine vorläufige Einigung zwischen den USA und dem Iran zur Verlängerung eines Waffenstillstands um 60 Tage im Nahen Osten. Der Schlusskurs lag dann aber bei 75,83 US-Dollar je Unze, ein Minus von 0,5 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von rund sechs Prozent.
Die Volatilität bleibt hoch. Die annualisierte 30-Tage-Schwankungsbreite liegt bei 55,5 Prozent. Vom Jahreshoch bei 116,89 US-Dollar Ende Januar ist Silber inzwischen 35 Prozent entfernt.
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Inflationsdaten belasten die Stimmung
Parallel zu den Nahost-Meldungen drücken aktuelle US-Wirtschaftsdaten auf die Edelmetallstimmung. Der PCE-Preisindex kletterte im Jahresvergleich auf 3,8 Prozent, der Kern-PCE auf 3,3 Prozent. Das dämpft die Erwartungen an baldige Zinssenkungen. Für Silber ist das problematisch: Das Metall wirft keine laufenden Erträge ab. Ein starker Dollar und hohe Realzinsen machen es für Anleger unattraktiver.
Die zweite BIP-Schätzung für das erste Quartal fiel mit 1,6 Prozent schwächer aus als zunächst prognostiziert. Ursprünglich hatte die erste Prognose bei 2,0 Prozent gelegen. Das könnte die industrielle Nachfrage nach Silber belasten — ein wichtiger Faktor, da rund die Hälfte der Silbernachfrage aus der Industrie kommt.
Sechstes Defizit in Folge erwartet
Das fundamentale Bild bleibt von einem strukturellen Angebotsdefizit geprägt. Das Silver Institute rechnet für 2026 mit dem sechsten globalen Defizit in Folge. Die Minenproduktion wird den Bedarf von Industrie und Investoren voraussichtlich um 46,3 Millionen Unzen verfehlen.
Die Lagerbestände der LBMA in London liegen bei 882,7 Millionen Unzen. Der frei verfügbare Anteil beträgt rund 26,7 Prozent der Gesamtreserven. Das signalisiert weiterhin Knappheit im physischen Markt — auch wenn kurzfristige Preisschwankungen durch Makrodaten dominiert werden.
Arbeitsmarktdaten in der kommenden Woche
Die Handelswoche ab Montag bringt eine Serie wichtiger US-Konjunkturdaten. Am 1. Juni folgt der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe, am 2. Juni die JOLTS-Arbeitsmarktdaten, am 3. Juni der Dienstleistungs-PMI. Den Abschluss bildet am 5. Juni der umfassende Arbeitsmarktbericht für Mai.
Diese Daten können die Renditeentwicklung von Anleihen und den Wert des US-Dollars beeinflussen. Beide Faktoren wirken sich direkt auf den Silberpreis aus. Starke Arbeitsmarktdaten würden die Zinssenkungs-Fantasie weiter dämpfen.
Charttechnisch dient die 50-Tage-Linie bei knapp 76 US-Dollar als kurzfristiger Prüfstein. Widerstände liegen bei 77,92 US-Dollar (20-Tage-Linie) und 78 US-Dollar. Auf der Unterseite bieten das Mai-Tief bei 73,09 US-Dollar und die Zone um 70,87 US-Dollar Unterstützung. Die 100-Tage-Linie notiert bei 81,15 US-Dollar, die 200-Tage-Linie deutlich tiefer bei 65,97 US-Dollar.
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