Silber Preis: 46,3-Millionen-Unzen-Defizit 2026
Silber profitiert von geopolitischen Spannungen und nähert sich 59 Dollar, während ein strukturelles Angebotsdefizit den Markt stützt.

- Silber erholt sich nach Geopolitik-Schock
- Fed-Zinserhöhung im September wahrscheinlich
- Angebotsdefizit erreicht sechstes Jahr
- Silber bleibt weit unter Rekordhoch
Ein Angriff auf einen Frachter in der Straße von Hormus hat die Nerven an den Rohstoffmärkten heute erneut strapaziert. Das Schiff wurde laut Handelsblatt rund 37 Kilometer nordöstlich von Al Khasab im Oman getroffen. Silber reagiert auf die Eskalation mit dem zweiten Gewinntag in Folge und nähert sich der Marke von 59 US-Dollar pro Feinunze.
Angriff in der Straße von Hormus schürt Nervosität
US-Präsident Trump bezeichnet sein jüngstes Verhandlungsangebot an Teheran als „letzte Chance“. Iran lehnt es ab. Seit dem 28. Februar liefern sich beide Seiten einen Krieg, der die Schifffahrt durch die strategisch wichtige Meerenge fast zum Erliegen gebracht hat. Für Anleger bleibt Silber in dieser Lage ein Fluchtinstrument, das zugleich von seiner industriellen Verwendung profitiert.
Der Kurs hat sich seit dem Tief von 56,57 Dollar am Montag merklich erholt. Der US-Dollar-Index bleibt trotz der Spannungen stabil, was die Gewinne des Edelmetalls bremst. Gold und Silber konkurrieren derzeit mit dem Greenback selbst um die Rolle des sicheren Hafens.
Fed-Zinsentscheid rückt in den Fokus
Parallel zur geopolitischen Lage richten Händler den Blick auf die US-Notenbank. Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September bei 65 Prozent. Fed-Vertreter Williams erklärte, die Geldpolitik sei gut positioniert, um das Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen. Am Freitag steht mit dem US-Arbeitsmarktbericht ein weiterer möglicher Kurstreiber an.
Eine straffere Geldpolitik würde zinslose Anlagen wie Silber grundsätzlich belasten. Bislang überwiegt allerdings die Nachfrage nach Absicherung gegen die Krise am Persischen Golf. Auf der Charttechnik bleibt das Bild uneinheitlich: Kurzfristige Signale deuten auf eine fortgesetzte Erholung hin, doch der gleitende 200-Tage-Durchschnitt liegt weiterhin deutlich über dem aktuellen Niveau und bremst die mittelfristige Tendenz.
Strukturelles Angebotsdefizit stützt den Silbermarkt
Unabhängig von der Tagespolitik zeigt der World Silver Survey ein tieferliegendes Problem des Marktes. Für 2026 weist die Erhebung das sechste Defizitjahr in Folge aus: Dem Markt fehlen 46,3 Millionen Unzen, 15 Prozent mehr als die 40,3 Millionen Unzen im Jahr 2025. Sowohl Angebot als auch Nachfrage schrumpften zugleich um rund 2 Prozent.
Seit 2021 haben sich die weltweiten Lagerbestände kumuliert um 762 Millionen Unzen verringert. Hinzu kommt eine strukturelle Nachfragekomponente außerhalb der Geopolitik: Photovoltaikanlagen und Elektrofahrzeuge benötigen wachsende Mengen des Metalls, was viele Analysten als langfristigen Preistreiber werten, unabhängig vom Ausgang der Iran-Gespräche.
Weiter Weg zum Rekordhoch
Trotz der jüngsten Erholung liegt Silber noch weit unter seinem Rekordhoch von 121,62 Dollar, das am 29. Januar erreicht wurde. Aktuell notiert das Metall gut die Hälfte darunter. Das Gold-Silber-Ratio, das den Preis einer Feinunze Gold ins Verhältnis zu einer Feinunze Silber setzt, liegt bei etwa 70 – ein Niveau, das viele Marktbeobachter als Hinweis auf eine relative Unterbewertung von Silber gegenüber Gold werten.
Für die kommenden Tage bleiben zwei Fixpunkte entscheidend: der Fortgang der US-Iran-Gespräche über die Straße von Hormus und die Reaktion der Fed auf die jüngsten Konjunkturdaten. Beide Faktoren dürften darüber entscheiden, ob Silber seine Erholung fortsetzen oder erneut in Richtung der Julitiefs zurückfallen kann.
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