Silber Preis: 46,3 Millionen Unzen Defizit
Silber verzeichnet deutliche Verluste, während das Verhältnis zu Gold auf ein 50-Jahres-Hoch steigt. Die Fed-Entscheidung und das anhaltende Angebotsdefizit prägen die Aussichten.

- Silber fällt um 2,51 Prozent
- Gold-Silber-Verhältnis nahe Rekordhoch
- Angebotsdefizit seit sechs Jahren
- Fed-Entscheidung beeinflusst Zinspfad
Silber kostet aktuell 57,77 US-Dollar je Unze und fiel allein am Freitag um 2,51 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Metall fast 19 Prozent eingebüßt und liegt gut 52 Prozent unter seinem Januar-Hoch von 121,78 US-Dollar. Dabei bleibt das strukturelle Angebotsdefizit bestehen – inzwischen im sechsten Jahr in Folge.
Verhältnis nahe historischer Spitze
Das Gold-Silber-Verhältnis zeigt, wie viele Unzen Silber eine Unze Gold aufwiegen. Es lag zuletzt bei 69,84, nach 69,53 am Vortag. Damit bewegt sich die Kennzahl nahe der Spitze ihrer 50-jährigen Bandbreite, deren Mittel zwischen 60:1 und 70:1 verläuft.
Noch im Mai lag das Verhältnis bei etwa 55:1. Dann kam die restriktivere Zinserwartung der Fed zurück ins Spiel. Beide Metalle gaben nach – Silber aber deutlich stärker als Gold. Binnen acht Handelstagen weitete sich das Verhältnis von rund 62 auf 69 aus.
Der Grund liegt in Silbers Doppelrolle. Etwa 58 Prozent der weltweiten Nachfrage stammen aus der Industrie. Steigen die Zinserwartungen und kühlt sich das Wachstum ab, bremst das den industriellen Nachfragemotor. Silber verliert damit einen Antrieb, den Gold nicht kennt.
Bank of America rechnet mit Extremszenarien
Für die langfristige Einordnung liefert Bank of America eine vielbeachtete Analyse. Ausgangspunkt ist ein Verhältnis von rund 59:1. Bei einem Goldpreis nahe 5.000 US-Dollar würde eine Verengung auf das 2011er-Tief von 32:1 den Silberpreis auf 135 US-Dollar treiben.
Ein noch extremeres Szenario orientiert sich am Jahr 1980. Damals fiel das Verhältnis während der Hunt-Brothers-Silberattacke auf 14:1. Übertragen auf heutige Goldpreise würde das Silber auf 309 US-Dollar heben.
BofA-Analyst Michael Widmer betont den Szenario-Charakter der Rechnung. Beide Werte sind mathematische Extrapolationen historischer Ratio-Kompressionen – keine Kursprognosen mit fester Eintrittswahrscheinlichkeit.
Andere Häuser bleiben zurückhaltender. JPMorgan hält an seinem Basisszenario von 81 US-Dollar je Unze für 2026 fest. Der LBMA-Analystenkonsens für 2026 liegt bei 79,57 US-Dollar.
Sechstes Jahr in Folge mit Angebotsdefizit
Losgelöst von kurzfristigen Zinsschwankungen bleibt die fundamentale Angebotslage angespannt. Das Silver Institute bestätigte in seinem World Silver Survey 2026 das sechste aufeinanderfolgende jährliche Defizit – diesmal 46,3 Millionen Unzen.
Seit 2021 haben sich die kumulierten Lagerabbauten auf 762 Millionen Unzen summiert. Das entspricht etwa neun Monaten globaler Minenproduktion.
Die Angebotsseite bleibt zudem träge. Die Minenproduktion für 2026 wird auf 844,1 Millionen Unzen geschätzt – praktisch unverändert zum Vorjahr. Der Grund: Rund 74 Prozent des Silbers fallen als Nebenprodukt der Kupfer-, Blei- und Zinkförderung an. Diese Minen richten sich nach der Wirtschaftlichkeit der Basismetalle, nicht nach dem Silberpreis. Höhere Notierungen haben bislang kein zusätzliches Angebot ausgelöst.
Fed-Entscheidung bestimmt die kommende Woche
Die US-Notenbank stimmte am 29. Juli mit 9 zu 3 Stimmen für eine Zinspause. Drei regionale Notenbankpräsidenten votierten für eine sofortige Erhöhung – die am stärksten gespaltene FOMC-Entscheidung seit September 2016.
Diese Spaltung zeigt, wie unsicher der Zinspfad für September bleibt. Genau diese Unsicherheit dürfte entscheiden, ob sich das Gold-Silber-Verhältnis Richtung seines historischen Mittels zurückbewegt oder auf erhöhtem Niveau verharrt. Eine Kompression von 69 zurück Richtung 60 würde bei stabilem Goldpreis eine Outperformance von Silber gegenüber Gold um rund 13 Prozentpunkte bedeuten.
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