Silber Preis: 46,3 Millionen Unzen Defizit

Silber verliert massiv an Wert, belastet durch Fed-Zinssignale und sinkende Solarnachfrage. KI und E-Autos bieten neue Impulse.

Die Kernpunkte:
  • Silberkurs fällt um fast 16 Prozent im Monat
  • Fed-Signale zu Zinserhöhungen belasten
  • Solarindustrie senkt Silberverbrauch drastisch
  • KI und E-Mobilität treiben Nachfrage

Der Silberpreis rutscht immer tiefer ab. Allein am Freitag verlor das Edelmetall 2,6 Prozent und schloss bei 64,09 US-Dollar. Auf Monatssicht steht sogar ein Minus von fast 16 Prozent auf der Anzeigetafel. Restriktive Signale der US-Notenbank belasten die Kurse massiv. Sie überschatten die positiven Impulse des jüngsten US-Iran-Friedensabkommens.

Zinsangst treibt Anleger um

Die US-Notenbank Fed hält die Zinsen vorerst stabil. Allerdings signalisieren die Währungshüter zunehmend eine Bereitschaft für Zinserhöhungen in diesem Jahr. Neun Entscheidungsträger erwarten mindestens einen Zinsschritt nach oben. Der Markt preist aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent für eine Erhöhung bis September ein.

Höhere Kreditkosten schaden dem Silberpreis direkt. Sie erhöhen die Opportunitätskosten für das nicht verzinsliche Edelmetall. Da nützt auch die Entspannung im Nahen Osten wenig. Investoren hoffen zwar auf normale Schifffahrtswege durch die Straße von Hormuz. Bis die Energieflüsse das Vorkonfliktniveau erreichen, vergehen aber wohl noch Monate.

KI und E-Autos ersetzen Solar

Abseits der Geldpolitik wandelt sich die fundamentale Nachfrage. Die Solarindustrie verliert als Silber-Treiber an Gewicht. Modulhersteller senken den Einsatz des Edelmetalls pro Zelle aus Kostengründen drastisch. Folglich sank die Nachfrage der Photovoltaikbranche im vergangenen Jahr spürbar. Für das laufende Jahr 2026 erwarten Experten einen weiteren Einbruch um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Unzen.

Andere Sektoren springen in die Bresche. Rechenzentren und KI-Infrastruktur benötigen dringend Silber für hocheffiziente elektrische Komponenten und Wärmemanagementsysteme. Die globale IT-Leistungskapazität explodiert. Sie stieg seit der Jahrtausendwende auf fast 50 Gigawatt im Jahr 2025. Die Folge: ein massiver Bedarf an Computerhardware.

Parallel dazu stützt die Elektromobilität den Verbrauch. Batteriemanagementsysteme und Ladeinfrastruktur verschlingen große Mengen des Leiters. Elektroautos verbrauchen im Schnitt gut 70 Prozent mehr Silber als klassische Verbrenner. Konkret sind das 25 bis 50 Gramm je Fahrzeug.

Dauerhaftes Defizit stützt Prognosen

Auf der Angebotsseite bleibt die Lage extrem angespannt. Der Silbermarkt verzeichnet 2026 das sechste Jahr in Folge ein globales Defizit. Das Silver Institute prognostiziert eine Lücke von 46,3 Millionen Unzen. Produzenten können die Förderung kaum kurzfristig ausweiten. Silber fällt meist nur als Nebenprodukt bei der Kupfer- oder Zinkgewinnung an.

Charttechnisch ist das Bild aktuell eingetrübt. Der Kurs notiert deutlich unter seinem gleitenden Durchschnitt der vergangenen Wochen. Auf dem Weg nach unten warten nun Unterstützungen bei 61,02 und 54,46 US-Dollar. Nach oben hin bildet der Bereich um 71,80 US-Dollar den ersten massiven Widerstand.

Analysten blicken trotz des jüngsten Preisverfalls optimistisch in die Zukunft. Ein aktueller Reuters-Konsens sieht den durchschnittlichen Silberpreis 2026 bei rund 79,50 US-Dollar je Unze. Die Citigroup geht sogar noch einen Schritt weiter. Die US-Bank ruft für das zweite Halbjahr ein Kursziel von 110 US-Dollar aus. Sie begründet dies mit der anhaltenden physischen Angebotsknappheit.

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