Silber Preis: 50 Prozent unter Allzeithoch

Trotz sechstem Angebotsdefizit in Folge fällt der Silberpreis aufgrund der Zinserhöhungsängste und starkem Verkaufsdruck an den Finanzmärkten.

Die Kernpunkte:
  • Silber verliert seit Januar die Hälfte
  • Fed-Kurs treibt Edelmetalle in die Knie
  • Angebotslücke wächst auf 46 Millionen Unzen
  • Solarindustrie senkt Silberverbrauch um 20 Prozent

Silber hat seit dem Allzeithoch im Januar rund die Hälfte seines Wertes verloren. Aktuell notiert das Edelmetall bei knapp 60 US-Dollar je Feinunze. Zwar brachte eine Entspannung im US-Iran-Konflikt am Freitag leichte Gewinne. Der übergeordnete Trend zeigt jedoch steil nach unten.

Auf Wochensicht verbucht Silber ein Minus von über acht Prozent. Der Abstand zur 200-Tage-Linie liegt mittlerweile bei rund 18 Prozent. Ein aktueller RSI-Wert von 34 signalisiert einen stark überverkauften Markt.

Fed-Kurs dominiert den Handel

Der neue Fed-Vorsitzende Warsh bleibt hart. Er will die Inflation zwingend unter Kontrolle bringen. Die viel beachtete PCE-Inflationsrate lag im Mai bei 4,1 Prozent. Das entspricht exakt den Erwartungen der Analysten.

Die Märkte preisen nun drei Zinserhöhungen für dieses Jahr ein. Die Wahrscheinlichkeit für einen ersten Zinsschritt im September liegt bei 62 Prozent. Das stärkt den US-Dollar. Im Gegenzug geraten Edelmetalle unter Druck. Als Industriemetall reagiert Silber besonders sensibel auf diese restriktive Geldpolitik.

Strukturelles Defizit weitet sich aus

Jenseits der Zinsangst zeigt der physische Markt ein völlig anderes Bild. Der globale Silbermarkt verzeichnet das sechste Angebotsdefizit in Folge. Für das Jahr 2026 rechnet das Silver Institute mit einer Lücke von 46,3 Millionen Unzen. Das Minus fällt damit größer aus als im Vorjahr.

Das Silber-Recycling erreichte zuletzt ein Zwölfjahreshoch. Selbst dieser maximale Durchsatz kann die Lücke zur Minenproduktion nicht schließen.

Das Problem liegt in der starren Angebotsstruktur. Rund 70 Prozent der weltweiten Silberproduktion fallen lediglich als Nebenprodukt an. Minenbetreiber fördern es zusammen mit Zink, Blei und Kupfer. Höhere Silberpreise führen daher nicht automatisch zu neuen Minenprojekten.

Solarindustrie spart, Anleger kaufen

Die hohen Preise der Vergangenheit hinterlassen Spuren. Photovoltaik-Hersteller senkten ihren Silberverbrauch in diesem Jahr um fast ein Fünftel. Sie verdrängen das teure Metall aktiv aus ihren Lieferketten. Das Ziel: Kosten sparen.

Dieser industrielle Rückgang schließt das Marktdefizit aber nicht. Ein massiver Zufluss von Privatkapital in physische Münzen und Barren gleicht die schwächere Industrienachfrage vollständig aus.

Auf dem Papiermarkt dominieren indes die Verkäufer. Investoren bauten aus Zinsangst zuletzt Positionen ab und reduzierten die ETF-Bestände binnen eines Monats um über 13 Millionen Unzen. Das treibt das Gold-Silber-Ratio auf einen hohen Wert von über 65.

Breite Spanne bei Prognosen

Die institutionellen Prognosen spiegeln die aktuelle Zerrissenheit des Marktes wider. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen Banken wie J.P. Morgan im Schnitt mit einem Preis von rund 80 US-Dollar. Die extreme Spanne der Schätzungen reicht allerdings von 44 bis 165 Dollar.

Letztlich bleibt die US-Notenbank der entscheidende Taktgeber. Erst wenn die Fed ein Ende der Zinserhöhungen signalisiert, dürfte die Finanznachfrage zurückkehren und das physische Defizit voll auf den Silberpreis durchschlagen.

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