Silber Preis: 54,77 Dollar Sechsmonatstief
Das Edelmetall verzeichnet den tiefsten Stand seit einem halben Jahr, während der Dollar als sicherer Hafen profitiert.

- Preis fällt auf 54,77 US-Dollar
- Dollarstärke belastet Silberkurs
- Charttechnik zeigt Abwärtstrend
- Analysten sehen Spanne von 42 bis 165 Dollar
Eigentlich gilt Silber als Krisenmetall. Diese Woche zeigt: Nicht immer profitiert das Edelmetall von geopolitischer Angst. Trotz massiver Spannungen im Nahen Osten fällt der Preis auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten.
Am Freitag markierte Silber intraday ein Tief bei 54,77 US-Dollar je Feinunze. Zum Handelsschluss stand die Notierung bei 56,22 US-Dollar, ein Plus von 0,82 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht bleibt trotz der Erholung ein Minus von 6,70 Prozent.
Trump-Drohung stützt den Dollar, nicht das Silber
Die USA griffen in der vergangenen Woche mehrfach Ziele im Iran an. Präsident Donald Trump verschärfte die Lage am Wochenende weiter. Er drohte, US-Streitkräfte könnten in der kommenden Woche gezielt iranische Infrastruktur angreifen, sollten diplomatische Gespräche scheitern.
Normalerweise würde solche Unsicherheit Anleger in Edelmetalle treiben. Diesmal lief es anders: Das Geld floss in den US-Dollar als sicheren Hafen. Da Silber in Dollar gehandelt wird, belastet die Dollarstärke die Notierung zusätzlich. Parallel trieben die Spannungen die Ölpreise nach oben. Das schürt Sorgen vor anhaltender Inflation und einer weiter restriktiven Zinspolitik der US-Notenbank.
Charttechnik zeigt klare Schwäche
Der Rutsch auf 54,77 US-Dollar markiert das tiefste Niveau seit sechs Monaten. Diese Marke bildet jetzt die entscheidende Unterstützung für die kommende Handelswoche. Fällt der Kurs nachhaltig darunter, rückt die psychologische Marke von 54,00 US-Dollar in den Fokus. Als nächster Ankerpunkt danach gilt das Ausbruchslevel des Jahreshochs von 2011 bei rund 49,00 US-Dollar.
Auch die gleitenden Durchschnitte bestätigen den Abwärtstrend. Der Kurs notiert 16,36 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 67,22 US-Dollar und 23,79 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 73,77 US-Dollar. Der 20-Tage-Durchschnitt deckelt seit Juni jede nennenswerte Erholung. Auf der Oberseite müssten die Bullen den Bereich um 61,02 US-Dollar zurückerobern, um den Trend zu brechen.
Der RSI von 34,6 signalisiert keine akute Überverkauft-Situation, liegt aber deutlich im schwachen Bereich. Zum Vergleich: Vom 52-Wochen-Hoch bei 121,78 US-Dollar aus dem Januar trennen den aktuellen Kurs mittlerweile 53,84 Prozent.
Analysten sehen für 2026 eine riesige Spanne
Die LBMA befragte Marktteilnehmer zu ihren Prognosen für das Gesamtjahr 2026. Das Ergebnis fällt ungewöhnlich breit aus: Die Schätzungen reichen von 42 bis 165 US-Dollar je Feinunze.
Diese Spanne spiegelt gegensätzliche Kräfte wider. Auf der einen Seite stützen strukturelle Angebotsdefizite und steigende industrielle Nachfrage aus Solarenergie und E-Mobilität den Preis. Auf der anderen Seite belasten die straffe Geldpolitik der Fed und die Zinsunsicherheit das zinslose Metall. Das Gold-Silber-Ratio lag zur Wochenmitte bei etwa 69,3 und zeigt damit eine relative Schwäche des Silbers gegenüber Gold.
Die kommende Woche dürfte richtungsweisend werden. Sollte Trumps Drohung gegen die iranische Infrastruktur Realität werden, könnte die Marke bei 54,00 US-Dollar schnell auf die Probe gestellt werden. Bleibt die Eskalation aus, hat der Bereich um 61,02 US-Dollar das Potenzial, die erste echte Erholungschance zu bieten.
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