Silber Preis: 59,05 Dollar nach Iran-Entspannung

Der Silberpreis verliert durch die Annäherung zwischen USA und Iran seinen geopolitischen Risikoaufschlag. Zusätzlich setzen ein fester Dollar und die straffe Fed-Politik das Edelmetall unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • Preiseinbruch nach US-Iran-Annäherung
  • Starker Dollar und Fed belasten zusätzlich
  • Angebotsdefizit von 46 Millionen Unzen erwartet
  • Technisch überverkauft bei RSI von 34

Der Silberpreis hat zum Wochenauftakt kräftig nachgegeben. Ausschlaggebend war eine überraschende Annäherung zwischen Washington und Teheran — und damit der Verlust des wichtigsten Preistreibers der vergangenen Wochen.

Waffenruhe nimmt Silber den Rückenwind

Binnen 48 Stunden hat sich die geopolitische Lage grundlegend verändert. Die USA und der Iran vereinbarten einen vorläufigen Stopp gegenseitiger Angriffe. Ziel: die Schifffahrt durch die Straße von Hormus freizuhalten. Am heutigen Dienstag treffen sich beide Seiten in Doha, um ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Streits zu verhandeln.

Für Silber bedeutet das: Die Funktion als sicherer Hafen entfällt vorerst. Der Preis fiel auf 59,05 USD je Unze — ein Rückgang von 5,77 USD gegenüber dem Vortag.

Fed und Arbeitsmarkt als nächste Belastung

Parallel drückt ein fester US-Dollar auf die Notierungen. Silber wird damit für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer. Erschwerend kommt die Geldpolitik hinzu.

Fed-Chef Kevin Warsh — seit Mai im Amt — hält die Zinsen in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Am Donnerstag folgen die US-Arbeitsmarktdaten für Juni. Analysten rechnen mit rund 172.000 neuen Stellen. Ein starkes Ergebnis würde Zinserhöhungserwartungen befeuern — und den Silberpreis weiter belasten. Warsh spricht zudem am 1. Juli beim EZB-Forum, was zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Fed-Linie lenkt.

Physischer Markt bleibt strukturell eng

Die Preisschwäche steht im Widerspruch zur fundamentalen Lage. Das Silver Institute erwartet für 2026 ein globales Angebotsdefizit von 46 Millionen Unzen.

Die industrielle Nachfrage entwickelt sich dabei zweigleisig: Der Solarsektor zieht sich zurück — Photovoltaik-Nachfrage sank zuletzt um 19 Prozent. KI-Infrastruktur schiebt hingegen kräftig nach, mit einem jährlichen Wachstum von rund 25 Prozent.

Technisch überverkauft, aber ohne klaren Boden

Der RSI liegt bei 34 — das ist überverkauftes Terrain. Die nächste nennenswerte Unterstützung sehen Marktbeobachter bei 56,50 USD. Der Bereich um 60,50 USD fungiert nun als Widerstand.

Ob der Boden hält, entscheidet sich in den nächsten Tagen: Scheitern die Doha-Gespräche, könnte die Risikoprämie zurückkehren. Laufen sie erfolgreich, rückt der Fokus auf Warsh — und auf einen Arbeitsmarktbericht, der die Zinsdebatte neu entfachen kann.

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