Silber Preis: 61,42 Dollar als charttechnische Hürde

Silber notiert vor der Fed-Zinsentscheidung im Spannungsfeld zwischen Angebotsdefizit und Zinserhöhungsspekulationen.

Die Kernpunkte:
  • Fed-Zinsentscheidung im Fokus
  • Angebotslücke wächst weiter
  • Charttechnische Hürde bei 61 Dollar
  • Gold-Silber-Ratio signalisiert Korrektur

Silber startet mit Rückenwind in eine entscheidende Handelswoche. Der Kurs legte am Freitag um knapp ein Prozent auf 58,49 Dollar je Unze zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von gut 4 Prozent zu Buche. Zum Rekordhoch von 121,78 Dollar aus Ende Januar bleibt der Abstand aber gewaltig: knapp 52 Prozent.

Die Fed rückt in den Mittelpunkt

Im Zentrum der kommenden Woche steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank. Der Markt preist inzwischen deutlich weniger sicher eine Beibehaltung des Leitzinses ein. Die Wahrscheinlichkeit dafür fiel von 87,2 auf 64,2 Prozent.

Auslöser war ein überraschend guter Arbeitsmarktbericht am Donnerstag. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen niedriger aus als erwartet. Das nährt Spekulationen auf eine härtere Fed-Linie.

Für Silber ist das keine gute Nachricht. Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Steigen die Zinsen, wandern Anleger in verzinsliche Anlagen ab — das bremst die Nachfrage nach Silber.

Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack befeuerte diese Sorge zusätzlich. Sie schloss sich zuletzt mehreren Notenbankern an, die weitere Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung fordern.

Wichtige Marke bei 61 Dollar

Charttechnisch braucht Silber einen klaren Ausbruch, um wieder Fahrt aufzunehmen. Erst eine Rückeroberung der Marke von rund 61,42 Dollar gilt als Signal für eine nachhaltige Erholung. Zusätzlich müsste der mittelfristige Abwärtstrend durchbrochen werden. Erst dann rücken laut Charttechnikern wieder Kurse um die 70-Dollar-Marke in Reichweite.

Der Silberpreis notiert derzeit rund 9 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 64,57 Dollar. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand sogar knapp 21 Prozent. Der RSI von 44,3 zeigt: Silber ist weder überkauft noch überverkauft, sondern bewegt sich in neutralem Terrain.

Auch die Gold-Silber-Ratio liefert ein Signal. Sie liegt aktuell bei rund 69 — nach einem Tief von 43. Diese Erholung spiegelt die Korrektur wider, die auf die bemerkenswerte Rallye zum Allzeithoch folgte.

Das Angebot bleibt knapp

Unabhängig von der kurzfristigen Zinsdebatte bleibt der Silbermarkt strukturell angespannt. 2026 dürfte bereits das sechste Jahr in Folge mit einem globalen Defizit werden. Das prognostizierte Minus liegt bei rund 46,3 Millionen Unzen — mehr als die 40,3 Millionen Unzen aus dem Vorjahr.

Die Lücke wächst also, statt sich zu schließen. Ein Grund dafür liegt in der Minenstruktur selbst. Rund 70 Prozent des Silbers fallen als Nebenprodukt der Blei-, Zink-, Kupfer- und Goldförderung an.

Das hat eine wichtige Konsequenz: Selbst deutlich höhere Silberpreise kurbeln die Produktion nicht automatisch an. Entscheidend bleibt die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Basismetallminen.

Spannungsfeld zwischen Fed und Defizit

In der Vorwoche hatten steigende Anleiherenditen bereits Druck auf Edelmetalle ausgeübt. Gleichzeitig stützten geopolitische Unsicherheiten die Nachfrage nach sicheren Häfen. Diese Gegenkräfte dürften auch in den kommenden Tagen den Ton angeben.

Die Reaktion auf die Fed-Entscheidung sowie das Verhalten an der 61,42-Dollar-Marke dürften richtungsweisend für den weiteren Kursverlauf im August sein. Kurzfristiger Gegenwind aus der Zinspolitik trifft auf ein Angebotsdefizit, das sich strukturell eher ausweitet als schließt.

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