Silber Preis: 7 Prozent Minus in einer Woche

Steigende Zinserwartungen und sinkende Industrienachfrage setzen den Silberpreis massiv unter Druck. Das Edelmetall verzeichnet deutliche Verluste.

Die Kernpunkte:
  • Silber verliert rund sieben Prozent in einer Woche
  • Fed signalisiert mögliche Zinserhöhungen
  • Solarindustrie reduziert Silberverbrauch drastisch
  • Angebotsdefizit weitet sich weiter aus

Silber hat eine der schlechtesten Wochen des laufenden Jahres hinter sich. Das Metall verlor rund sieben Prozent in den vergangenen fünf Handelstagen — und das, obwohl der Freitag mit einem Plus von gut drei Prozent schloss. Der Schlusskurs liegt bei 59,69 US-Dollar je Feinunze.

Fed dreht die Richtung um

Das dominierende Problem ist die US-Geldpolitik. Die Federal Reserve ließ den Leitzins am 17. Juni zum vierten Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Neu und markant: Der aktuelle Dot Plot signalisiert erstmals eine mögliche Zinserhöhung — keine Senkung mehr.

Der neue Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte den Kurs gegen die Inflation. Die Headline-PCE-Inflation beschleunigte im Mai auf 4,1 Prozent. Die Märkte preisen inzwischen drei Zinserhöhungen für 2026 ein. Die Wahrscheinlichkeit für September liegt bei rund 62 Prozent.

Bank of America erwartet drei Erhöhungen um je 25 Basispunkte — im September, Oktober und Dezember. Das würde den Leitzins auf 4,25 bis 4,50 Prozent treiben. Die Deutsche Bank rechnet mit zwei Schritten.

Kein Wunder, dass Silber leidet. Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für unverzinsliche Edelmetalle. Seit seinem Rekordhoch im Januar hat Silber rund 51 Prozent verloren.

Geopolitik gibt wenig Rückenwind

Das US-Iran-Friedensabkommen beendete einen Konflikt, der zuvor massive Angebotsunterbrechungen ausgelöst hatte. Für Silber ist das kein klarer Gewinn. Sinkende Ölpreise mildern Inflationssorgen — und damit fällt ein Grund weg, Edelmetalle als Absicherung zu halten.

Seit dem Iran-Kriegshöhepunkt hat Silber etwa die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Das Gold-Silber-Ratio kletterte in nur acht Handelstagen von rund 62 auf 69,3 — nahe dem höchsten Stand seit dem Kriegshöhepunkt. Historisch gilt ein Ratio über 80 als Signal für eine günstige Bewertung von Silber. Davon ist der Markt noch entfernt, aber die Richtung ist eindeutig.

Solar schwächelt, KI fängt etwas auf

Die Industrienachfrage verändert sich strukturell. Die Photovoltaik-Branche fragte 2025 bereits sechs Prozent weniger Silber nach — 186,6 Millionen Unzen. Für 2026 prognostizieren Marktbeobachter einen weiteren Rückgang um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Unzen.

Chinesische Hersteller treiben die Substitution voran. Longi Green Energy ersetzt Silber durch Kupfer in Back-Contact-Zellen, Massenproduktion ab dem zweiten Quartal 2026. Jinko Solar folgt demselben Weg. Shanghai Aiko Solar hat bereits silberfreie Solarzellen auf den Markt gebracht.

Auf der anderen Seite fragen KI-Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und Automobilanwendungen mehr Silber ab als zu Jahresbeginn erwartet. Das federt den Solar-Rückgang teilweise ab — aber nicht vollständig.

Das strukturelle Bild bleibt trotzdem angespannt. Das globale Angebotsdefizit weitet sich auf 46,3 Millionen Unzen aus. Es ist das sechste Defizitjahr in Folge. Das Minenangebot schrumpft schneller als die Industrienachfrage zurückgeht — weil Silber überwiegend als Nebenprodukt bei der Förderung von Kupfer, Zink oder Blei entsteht.

PCE-Daten als nächster Kurstest

Die nächste wichtige Weichenstellung kommt am 30. Juli: Die US-Regierung veröffentlicht die PCE-Daten für Juni. Es ist der erste Bericht, der die Ölpreise nach dem Iran-Waffenstillstand vollständig abbildet. Fällt er deutlich niedriger aus als erwartet, dürften die September-Zinserwartungen sinken.

Die FOMC-Sitzung am 28. und 29. Juli liefert keine neuen Wirtschaftsprojektionen, kann aber die Markterwartungen für Dezember verschieben. Charttechnisch liegt die nächste Unterstützung bei 54,46 Dollar — rund acht Prozent unter dem aktuellen Kurs. Der RSI von 34,3 zeigt überverkaufte Bedingungen an, ohne bisher eine Trendwende zu bestätigen.

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