Silber Preis: 77,61 Prozent Plus seit Jahresbeginn
Silber notiert nahe 70 Dollar und verzeichnet Monatsplus von 20 Prozent. Geopolitik, Anleiherückkäufe und Marktdefizit stützen den Preis.

- Silberpreis steigt seit Monatsbeginn um 20 Prozent
- Sanktionen gegen Iran erhöhen Marktnervosität
- Analystenziele reichen von 65 bis 309 Dollar
- Minenaktien und Silber-ETFs legen deutlich zu
Der Silberpreis stabilisiert sich am heutigen Montag bei rund 69,00 US-Dollar je Feinunze und bleibt damit in Reichweite der psychologisch wichtigen 70-Dollar-Marke. Seit Anfang August hat das Edelmetall eine bemerkenswerte Rally hingelegt: Von 57,59 Dollar ging es im laufenden Monat um rund 20 Prozent nach oben. Auf Jahressicht steht ein Plus von 77,61 Prozent zu Buche – vor einem Jahr kostete die Unze noch 38,84 Dollar.
Getrieben wird die Bewegung durch eine Kombination aus geldpolitischen und geopolitischen Faktoren. Das US-Finanzministerium hat seine Anleiherückkäufe auf über vier Milliarden Dollar verdoppelt, um die Renditen zu drücken – ein Umfeld, das klassischerweise Edelmetalle stützt. Gleichzeitig sorgt die Eskalation zwischen den USA und dem Iran für zusätzliche Nervosität an den Märkten.
US-Finanzminister Bessent kündigte für den heutigen Tag die „härtesten Sanktionen der Geschichte“ gegen Teheran an und sprach von einem beginnenden „wirtschaftlichen D-Day“. Der Iran droht im Gegenzug mit einer Blockade der Straße von Hormus, sein Sicherheitschef Rezaei erklärte, im Falle einer Fortsetzung des „Wirtschaftskriegs“ werde „kein einziger Tropfen Öl“ mehr durch die Meerenge fließen.
Analysten mit breiter Kurszielspanne
Die aktuelle Stärke des Silberpreises hat eine Welle neuer Kursziele ausgelöst. Die Spanne der Häuser reicht von vorsichtigen 65 Dollar bei Scotiabank bis zu aggressiven 150 Dollar bei Citi. JPMorgan sieht das Edelmetall bei 85 Dollar, Goldman Sachs nennt eine Bandbreite von 85 bis 100 Dollar.
Am oberen Ende der Skala positionieren sich TD und BMO mit Zielen zwischen 118 und 160 Dollar, während Bank of America als Tail-Risk-Szenario sogar eine Marke von 309 Dollar ins Spiel bringt. Diese enorme Streuung zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das Potenzial der laufenden Rally einschätzen – Einigkeit besteht jedoch darin, dass die Aufwärtsbewegung noch nicht ausgereizt scheint.
Parallel zum physischen Preis explodieren die Kurse der Minenbetreiber. Hecla Mining legte im August um 47 Prozent zu, Wheaton Precious Metals um 44 Prozent. Coeur Mining, First Majestic und Fortuna Silver kletterten jeweils um 42 Prozent, Silvercorp um 36 Prozent und Pan American Silver um 22 Prozent.
Auch bei Silber-ETFs zeigt sich der Hebel deutlich: Der Global X Silver Miners ETF stieg um 35 Prozent, ein Junior-Minen-Produkt um 32 Prozent. Ergänzend liefert die Optionsmärkte ein bullishes Signal – das Put/Call-Verhältnis beim Silberminen-ETF SIL liegt bei 0,29 und gilt damit als extrem bullisch positioniert.
Fundamentales Defizit als Preistreiber
Neben den kurzfristigen geopolitischen Impulsen sprechen auch strukturelle Faktoren für höhere Preise. Marktteilnehmer erwarten für das laufende Jahr ein globales Silber-Marktdefizit von 46,3 Millionen Unzen. Diese Angebotslücke, gepaart mit der industriellen Nachfrage etwa aus der Solar- und Elektronikbranche, bildet das fundamentale Gerüst hinter der spekulativen Rally.
Ob sich der Silberpreis oberhalb der 70-Dollar-Marke etablieren kann, dürfte in den kommenden Tagen maßgeblich von der Entwicklung im Iran-Konflikt sowie den Zinssignalen der US-Notenbank abhängen. Fed-Chef Kevin Warsh spricht am Freitag in Jackson Hole – seine Äußerungen könnten für die weitere Richtung an den Edelmetallmärkten entscheidend werden.
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