Silber Preis: Auf 57,04 USD — BofA schärft Zinserwartungen

Zinserhöhungsängste und ein starker Dollar setzen den Silberpreis massiv unter Druck. Der Abverkauf beschleunigt sich.

Die Kernpunkte:
  • Silber fällt auf November-Tief
  • Banken erwarten weitere Zinserhöhungen
  • Starker Dollar belohnt Rohstoffe
  • Solarindustrie senkt Silberbedarf

Silber rutscht auf den tiefsten Stand seit November. Der Preis fiel am Donnerstag auf 57,04 USD je Feinunze — ein Minus von 0,56 Prozent. Damit verlor das Metall im vergangenen Monat rund 26 Prozent, notiert aber noch immer gut 55 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Der Auslöser: eine Zinsdebatte, die an Schärfe gewinnt.

Banken verschärfen Zinserwartungen

Bank of America prognostiziert drei Zinserhöhungen um je 25 Basispunkte — in September, Oktober und Dezember 2026. Das würde den Leitzins auf 4,25 bis 4,50 Prozent heben. Die Futures-Märkte preisen derzeit rund 42 Basispunkte ein. BofA liegt also 25 Basispunkte aggressiver und drei Monate früher.

Die Deutsche Bank erwartet zwei Erhöhungen für insgesamt 50 Basispunkte. CME FedWatch bewertet eine Dezember-Erhöhung inzwischen mit 88 Prozent Wahrscheinlichkeit — vor dem letzten FOMC-Treffen waren es 61 Prozent.

Fed-Chef Kevin Warsh verstärkte den Druck. Er betonte sein Engagement gegen Inflation und verwies auf eine stabile Gesamtwirtschaft. Die Fed-Projektionen vom Juni zeigen, wie stark sich das Bild gewandelt hat: Die PCE-Inflationsprognose für 2026 stieg von 2,7 auf 3,6 Prozent. Der Median-Leitzins im Dot Plot liegt nun bei 3,8 Prozent zum Jahresende. Neun von 18 Teilnehmern erwarten mindestens eine Erhöhung, sechs davon sogar zwei.

Dollar stark, Silber schwach

Der US-Dollar stieg auf den höchsten Stand seit über einem Jahr. Das verteuert dollarnotierte Rohstoffe für Käufer außerhalb des Dollarraums — klassischer Gegenwind für Silber.

Das Gold-Silber-Ratio weitete sich auf 65,6 aus. Silber absorbiert überproportionalen Verkaufsdruck, wenn Zinserhöhungsängste dominieren. Der Grund: Die industrielle Nachfragekomponente wird mit sinkenden Wachstumserwartungen nach unten bewertet.

Nachfrageseite bröckelt

Neben dem geldpolitischen Druck schwächt sich auch die Nachfrage ab. Im Solarsektor sinkt der Silberbedarf laut Schätzungen um rund 19 Prozent auf etwa 151 Millionen Unzen. Hersteller reduzieren den Silberanteil in Solarzellen durch neue Technologien. Das war jahrelang eine verlässliche Wachstumssäule.

Hinzu kommt der Ausverkauf bei US-Technologiewerten. KI-Infrastruktur und Elektronik brauchen Silber. Schwache Tech-Stimmung dämpft jedoch die Nachfrageerwartungen.

Auf der Angebotsseite bleibt der Markt strukturell angespannt. 2026 markiert das sechste Jahr in Folge, in dem die Welt mehr Silber verbraucht als sie fördert. Über die Hälfte der Nachfrage ist industrieller Natur — und industrielles Silber wird verbraucht, nicht recycelt. Die Minenproduktion kann nicht mithalten, da Silber überwiegend als Nebenprodukt bei der Kupfer- und Zinkförderung anfällt.

PCE-Daten als Richtungsentscheid

Die Mai-PCE-Daten wurden am heutigen Donnerstag um 8:30 Uhr ET veröffentlicht. Der Kontext ist relevant: Der CPI für Mai lag bei 4,2 Prozent im Jahresvergleich, getrieben von einem 23,5-prozentigen Energieschub aus dem Iran-Konflikt. Prognosen sahen die Gesamtinflation bei 4,1 Prozent, den Kern-PCE bei 3,4 Prozent.

Ein schwächerer Wert könnte die Dollar-Rallye bremsen und Silber kurzfristig entlasten. Eine heißere Zahl würde das Argument für weitere Zinserhöhungen stärken — und XAG/USD weiter belasten.

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