Silber Preis: Brent über 90 Dollar nach Eskalation

Silber stabilisiert sich trotz drohender US-Zinserhöhung dank eskalierendem Iran-Konflikt und starker Industrienachfrage.

Die Kernpunkte:
  • Silberpreis erholt sich zweiten Tag
  • Iran-Konflikt treibt Öl und Rohstoffe
  • Fed signalisiert weiteren Zinsschritt
  • Solarnachfrage stützt Silber langfristig

Während Gold unter Druck gerät, legt der Preis für das Industriemetall bereits zum zweiten Handelstag in Folge zu – und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Zinserhöhung in den USA steigt. Nach den deutlichen Verlusten der Vorwoche zeichnet sich damit eine Stabilisierung ab, getragen von einer explosiven geopolitischen Gemengelage im Nahen Osten.

Iran-Konflikt eskaliert weiter, Öl treibt die Rohstoffmärkte

Der Konflikt zwischen den USA und Iran hat sich in der Nacht zum 20. Juli erneut verschärft. Laut Reuters führten die US-Streitkräfte bereits die neunte Angriffswelle gegen Kommandozentralen, Flugabwehrstellungen und Raketenabschussvorrichtungen im Iran durch. Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf Ziele in Kuwait und Bahrain und erklärte laut den iranischen Revolutionsgarden zwei Öltanker in der Straße von Hormus für durch Minen zerstört. Die Revolutionsgarden warnten zudem, die Route bleibe unsicher, solange die US-Aktionen andauerten. Ein Schiff geriet zusätzlich nahe der omanischen Küste in Brand, wie dpa-AFX meldete; die Ursache blieb zunächst unklar. Reuters zufolge kletterte Brent-Rohöl daraufhin über 90 Dollar je Barrel, während der Schiffsverkehr durch die Meerenge nahezu zum Erliegen kam. Handelsblatt berichtete zudem, die USA hätten zusätzliche Kampfjets vom Typ F-16 und F-35 in die Region verlegt; nach Angaben der Nachrichtenagentur wurden bislang 17 US-Soldaten getötet.

Diese Eskalation nährt die Sorge vor anhaltend hoher Inflation und stützt damit klassische Absicherungswerte wie Silber, selbst wenn steigende Zinsen eigentlich gegen Edelmetalle sprechen. Gold konnte von dieser Dynamik dagegen kaum profitieren: Wie die Deutschen Wirtschafts Nachrichten berichteten, rückte die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar in den Fokus, belastet durch einen starken Dollar und die Aussicht auf einen restriktiveren Zinskurs der Fed.

Fed bleibt auf Zinserhöhungskurs

Notenbankvertreterin Hammack signalisierte sich zuletzt kämpferisch und bezeichnete die Inflation weiterhin als flächendeckendes Problem. Der CME-FedWatch-Indikator sieht die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September inzwischen bei 61,4 Prozent. The Business Times berichtete zudem, Fed-Chef Kevin Warsh habe deutlich gemacht, der Kampf gegen die Inflation sei noch lange nicht gewonnen – trotz eines im Juni erstmals seit 2020 verzeichneten monatlichen Rückgangs der Verbraucherpreise. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen verharrt Berichten zufolge nahe 4,2 Prozent, ein Zeichen dafür, dass Anleihehändler weitere Zinsschritte bis zum Jahresende einpreisen.

Industrielle Nachfrage und Angebotsdefizit als struktureller Treiber

Neben der Geopolitik verweisen Marktanalysten auf fundamentale Faktoren: sinkende US-Realrenditen und eine robuste industrielle Nachfrage aus der Solarbranche und der Elektronikindustrie treffen auf ein strukturelles Angebotsdefizit am Silbermarkt. Die vietnamesische Wirtschaftszeitung Báo Công Thương zitiert Marktbeobachter, wonach die laufende Korrektur noch nicht abgeschlossen sei, langfristig aber Optimismus mit Blick auf Solar- und Elektroniknachfrage überwiegt. Auch die chinesischen Analysten von Huatai Futures stufen Silber kurzfristig neutral ein und verweisen auf geopolitische Risiken, die eine nachhaltige Erholung bei Edelmetallen bremsen könnten. Zusätzlich sorgen Berichten zufolge Meldungen über Produktionssteigerungen und neue Bohrtreffer bei Silberminen für zusätzliche Kursfantasie im Minensektor.

Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Steigende Zinserwartungen sprechen grundsätzlich gegen zinslose Anlagen wie Silber, während der eskalierende Nahost-Konflikt und die strukturelle Angebotsknappheit die Nachfrage nach dem Industriemetall zusätzlich stützen.

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