Silber Preis: Chinas Solarindustrie bricht um ein Drittel ein
Schwächere Photovoltaiknachfrage in China und steigende Lagerbestände belasten die Aussichten für Silber.

- Deutsche Bank erwartet Überschuss 2027
- Chinas PV-Nachfrage sank 2026 um ein Drittel
- Londoner Silberbestände auf höchstem Stand seit November 2024
- Silber schloss bei 60,71 US-Dollar
Experten warnen vor einer grundlegenden Verschiebung am Silbermarkt. Während das Edelmetall am Freitag bei 60,71 USD je Feinunze schloss, belasten zunehmend skeptische Prognosen führender Rohstoffanalysten das Sentiment. Nach einer ausgeprägten Schwächephase, die dem Edelmetall auf Wochensicht ein Minus von 6,2 % einbrachte, rückt nun die mittel- bis langfristige Angebots- und Nachfragebilanz in den Mittelpunkt der Debatte.
Analysten erwarten Marktüberschuss ab 2027
Für Gegenwind sorgen vor allem neue Einschätzungen zur physischen Marktbalance. Daniel Ghali, Leiter des Metallresearchs der Deutschen Bank, prognostiziert, dass der Silbermarkt im Jahr 2027 in einen physischen Überschuss drehen dürfte.
In der Folge erwartet das Institut eine anhaltende Underperformance von Silber gegenüber Gold. Verstärkt wird dieses Bild durch die Entwicklung der Lagerbestände: Die frei verfügbaren Bestände in London kletterten auf den höchsten Stand seit November 2024.
Auch Jeffrey Christian von der CPM Group verweist auf das Risiko eines Silberüberschusses. Um das künftige Angebot aufzunehmen und höhere Notierungen nachhaltig zu stützen, seien substanzielle Netto-Anlagekäufe zwingend erforderlich. Ohne diese institutionellen und privaten Mittelzuflüsse fehle dem Markt das Fundament für eine rasche Trendwende nach oben.
Industrielle Nachfrage gerät ins Stocken
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die industrielle Verwendung, auf die üblicherweise rund die Hälfte der globalen Silbernachfrage entfällt. Genau hier zeigen sich deutliche Risse.
Laut der Analyse der Deutschen Bank brach Chinas industrielle Silbernachfrage im Photovoltaiksektor im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel ein. Der Technologiesektor, der über längere Zeit als verlässlicher Nachfragepfeiler galt, kann das weltweite Minen- und Recyclingangebot somit spürbar weniger entlasten.
Zusätzlich geriet das Umfeld für Edelmetalle unter Druck, als die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen am Donnerstag zeitweise bis auf 5,34 % stieg und den US-Dollar stützte. Zwar dämpften schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt die Erwartungen an rasche Leitzinsanhebungen der Federal Reserve, die Renditen verharrten zum Wochenausklang dennoch auf hohem Niveau und belasteten zinslose Rohstoffe.
Wichtige Marken im Fokus
Vor diesem fundamentalen Hintergrund befindet sich die Notierung in einer anspruchsvollen Lage. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 121,78 USD beläuft sich auf 50 %, womit sich der Preis gegenüber seinem Höchststand aus dem Januar halbiert hat.
Charttechnisch rückt damit die runde Marke von 60 USD je Unze in das Zentrum des Handelsgeschehens. Kann dieses Niveau in den kommenden Tagen nicht verteidigt werden, droht ein Test tieferer Unterstützungszonen, bevor eine tragfähige Bodenbildung gelingen kann. Solange die Nachfrage aus der Industrie schwach bleibt und Analysten auf wachsende Lagerbestände hinweisen, bleibt der Spielraum für Erholungsbewegungen begrenzt.
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