Silber Preis: Commerzbank senkt Ziel auf 57,50 Dollar
Silber fällt auf 57,77 Dollar, Banken senken Prognosen. Trotz Angebotsdefizit belasten Zinspolitik und sinkende Solarnachfrage den Markt.

- Wochenverlust von 2,5 Prozent
- Commerzbank senkt Kursziel deutlich
- Sechstes Defizitjahr in Folge
- Solarindustrie reduziert Silberverbrauch
Silber beendet die Woche im Minus, und die großen Bankhäuser reagieren mit deutlichen Korrekturen. Am Freitag schließt der Preis bei 57,77 US-Dollar je Feinunze, ein Rückgang von 2,51 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 18,58 Prozent zu Buche.
Dieser Rücksetzer reiht sich in eine längere Konsolidierungsphase ein. Eine veränderte Zinspolitik und technologische Verschiebungen in wichtigen Industrien treiben die Entwicklung an. Mehrere Häuser haben ihre Kursziele zuletzt nach unten korrigiert.
Commerzbank kappt Ziele deutlich
Die Commerzbank hat ihre Prognosen Ende Juli 2026 drastisch revidiert. Rohstoffexperte Norman Liebke sieht das faire Kursniveau nicht mehr bei 70, sondern nur noch bei 57,50 US-Dollar.
Auch die langfristigen Ziele fallen. Für Ende 2026 rechnet die Bank nun mit 67 US-Dollar je Feinunze, zuvor waren es 80 US-Dollar.
Für Ende 2027 sinkt der Ausblick ebenfalls: von 90 auf 80 US-Dollar.
Auch die UBS blickt vorsichtiger auf das Edelmetall. Die Analysten erwarten bis September 2026 einen Kurs von 65 US-Dollar, der bis Dezember auf 70 US-Dollar steigen soll. Für das Frühjahr 2027 peilen sie 75 US-Dollar an.
J.P. Morgan bleibt optimistischer. Die Bank veranschlagt den Durchschnittspreis für das gesamte Jahr 2026 bei rund 81 US-Dollar.
Strukturelle Knappheit bremst den Rückgang
Trotz der Kurskorrekturen bleibt der physische Markt angespannt. Der World Silver Survey 2026 sieht den Silbermarkt auf dem Weg zum sechsten Defizitjahr in Folge.
Das Silver Institute hat die erwartete Angebotslücke zwar nach unten korrigiert, von 67 auf 46,3 Millionen Unzen. Strukturell bleibt das Defizit dennoch bestehen.
Der Grund: Rund 72 Prozent der weltweiten Förderung fallen nur als Nebenprodukt an, etwa beim Abbau von Kupfer, Blei und Zink. Die Produktion lässt sich damit kaum an den Marktpreis anpassen.
Das sorgt an Terminbörsen wie der COMEX für knappe Lagerbestände. Besonders betroffen ist die sofort verfügbare Kategorie „Registered“.
Solarindustrie spart, KI und E-Autos kompensieren
Die physische Nachfrage befindet sich mitten im Wandel. Die Photovoltaik-Industrie war jahrelang der größte Wachstumstreiber für Silber. Jetzt spart sie: Hersteller reduzieren den Silberanteil in Solarmodulen oder setzen auf Kupfer.
Für 2026 erwarten Experten einen Rückgang der solarspezifischen Nachfrage um 19 Prozent, auf rund 151 Millionen Unzen.
Der Einbruch wird an anderer Stelle ausgeglichen. Der KI-Boom treibt den Bau neuer Rechenzentren und Halbleiter-Infrastruktur voran, wo Silber wegen seiner elektrischen Leitfähigkeit unverzichtbar bleibt. Auch die Elektromobilität stützt die Nachfrage: Ein Elektrofahrzeug verbraucht zwischen 25 und 50 Gramm Silber, deutlich mehr als ein klassischer Verbrenner.
Insgesamt dürfte die industrielle Verarbeitung 2026 nur moderat sinken, auf ein Vierjahrestief von rund 650 Millionen Unzen.
Neben den industriellen Faktoren bestimmen Zins- und Dollarerwartungen das Geschehen. Die US-Notenbank hält die Leitzinsen zuletzt stabil, der erhoffte Rückenwind für das zinslose Edelmetall bleibt aus. Ein zeitweise erstarkter Dollar verteuert Silber zusätzlich für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Die nächsten Wegmarken liefern die Bankprognosen selbst. Bis September 2026 soll der Kurs laut UBS auf 65 US-Dollar klettern, die Commerzbank sieht das Jahresende bei 67 US-Dollar. Vom aktuellen Niveau bei 57,77 US-Dollar wäre das ein Anstieg von rund 16 Prozent.
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