Silber Preis: Defizit wächst auf 46,3 Millionen Unzen

Trotz sechsten Angebotsdefizits in Folge fällt der Silberpreis. Die Aussicht auf weitere US-Zinserhöhungen belastet das Edelmetall stärker als die physische Knappheit.

Die Kernpunkte:
  • Silberpreis fällt trotz Angebotsdefizit
  • Fed signalisiert weitere Zinserhöhungen
  • COMEX-Lagerbestände sinken deutlich
  • Solarindustrie reduziert Silberverbrauch

Fast 51 Prozent unter seinem Allzeithoch — und das trotz eines strukturellen Angebotsdefizits, das sich seit Jahren aufbaut. Silber steckt in einem scharfen Widerspruch: Der physische Markt ist knapp, aber die Geldpolitik drückt den Preis.

PCE-Daten bremsen den Absturz — vorerst

Der Mai-PCE-Bericht lieferte am Freitag etwas Entlastung. Die monatliche Rate stieg um 0,4 Prozent — unter der Erwartung von 0,5 Prozent. Der Silberpreis schloss daraufhin bei 59,69 Dollar, ein Tagesplus von 3,15 Prozent. Den Monat beendet das Metall dennoch rund 20 Prozent tiefer.

Der Auslöser der Korrektur liegt beim FOMC-Meeting Mitte Juni. Neun von achtzehn Fed-Mitgliedern prognostizierten mindestens eine weitere Zinserhöhung vor Jahresende. Die Fed hob ihre PCE-Inflationsprognose für 2026 auf 3,6 Prozent an. Fed-Chef Kevin Warsh betonte in seiner ersten Pressekonferenz das Bekenntnis zur Preisstabilität — zwölf Mal nannte er den Begriff explizit.

Das CME FedWatch Tool zeigt aktuell eine 61-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine September-Zinserhöhung. Vor einer Woche waren es noch 70 Prozent. Die Deutsche Bank erwartet sogar zwei Erhöhungen — im September und im Dezember.

Sechs Jahre Defizit, fallende Lager

Der physische Silbermarkt erzählt eine andere Geschichte. Das Silver Institute bestätigt für 2026 das sechste aufeinanderfolgende Angebotsdefizit. Der Fehlbetrag liegt bei geschätzten 46,3 Millionen Unzen — 15 Prozent mehr als die 40,3 Millionen Unzen im Vorjahr.

Rund drei Viertel des Silbers entstehen als Nebenprodukt beim Abbau von Basismetallen. Das Angebot reagiert deshalb kaum auf Preissignale. Seit 2021 summierten sich die Lagerentnahmen auf fast 762 Millionen Unzen. Die COMEX-Bestände fielen von 531 Millionen Unzen im Oktober 2025 auf rund 315 Millionen Unzen.

Solar schwächelt, Investoren springen ein

Auf der Nachfrageseite verschiebt sich das Bild. Der Silberbedarf der Solarindustrie sank 2025 um sechs Prozent auf 186,6 Millionen Unzen. Für 2026 erwarten Analysten von Metals Focus einen weiteren Rückgang um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Unzen. Als die Preise über 80 Dollar je Unze kletterten, trieb das die Hersteller zur Suche nach Alternativen — Silber macht bis zu 29 Prozent der Modulkosten aus.

Neue Wachstumsfelder wie KI-Rechenzentren und Autoelektronik gleichen den Rückgang nicht vollständig aus. Die physische Investmentnachfrage soll dagegen um 20 Prozent auf 227 Millionen Unzen steigen.

Charttechnik zeigt stabilen Abwärtstrend

Die technischen Signale stützen keine schnelle Erholung. Silber notiert deutlich unterhalb seiner 100- und 200-Tage-Durchschnitte. Der RSI liegt bei 34,3 — überverkauft, aber kein Trendwechselsignal. Das Gold-Silber-Ratio schloss die Woche bei 69,3:1, nahe dem höchsten Stand seit dem Iran-Kriegshoch.

Der entscheidende Datenpunkt kommt am 30. Juli: Das Bureau of Economic Analysis veröffentlicht dann die Juni-PCE-Zahlen. Es ist der erste Bericht, der die Ölpreise nach dem Iran-Waffenstillstand erfasst. Zeigt er einen deflationären Effekt, dürften die Zinserhöhungserwartungen für September deutlich zurückgehen — und der monetäre Gegenwind für Silber lässt nach.

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