Silber Preis: Flucht in sichere Häfen?
Nach Inflationsdaten und sinkenden Händlerpositionen stützt ein für 2026 erwartetes Angebotsdefizit den Silbermarkt.

- COMEX-Silber schloss bei 57,13 US-Dollar
- US-Inflation belebte Zinserhöhungserwartungen
- Spekulative Netto-Longpositionen gingen zurück
- Für 2026 wird ein Defizit prognostiziert
Turbulenzen an den weltweiten Aktienmärkten haben dem Silberpreis zum Ende der vergangenen Handelswoche eine Atempause verschafft. Nachdem die Notierungen im Wochenverlauf unter Druck geraten waren, griffen Marktteilnehmer am Freitag im Zuge einer Flucht in sichere Anlagehäfen wieder zu.
Medienberichten zufolge kletterte die Notierung am Freitag zeitweise über die Schwelle von 57 US-Dollar je Feinunze. Der Schlusskurs an der COMEX lag schließlich bei 57,13 US-Dollar, was einem leichten Tagesverlust von 0,8 Prozent entsprach.
Zinssorgen und Inflationsdaten drückten auf das Sentiment
Die Erholung folgte auf deutliche Abgaben zur Wochenmitte. Vor gut einer Woche hatten unerwartet feste US-Inflationsdaten den Markt spürbar belastet. Das US Bureau of Labor Statistics hatte für September einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,6 Prozent im Monatsvergleich gemeldet.
Auf Jahressicht lag die Inflationsrate bei 3,7 Prozent, während am Markt im Vorfeld lediglich 3,6 Prozent erwartet worden waren. Die Kernteuerungsrate belief sich auf 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
In der Folge lebten die Zinserhöhungserwartungen in den Vereinigten Staaten wieder auf. Das stärkte die Renditen festverzinslicher Papiere und ließ den Silberpreis am 14. Oktober um 6,29 Prozent auf 55,74 US-Dollar absacken. Seit Jahresanfang summieren sich die Einbußen des Edelmetalls damit auf ein Minus von 19 Prozent.
Spekulanten drosseln Engagement am Terminmarkt
Die veränderte Zinsstimmung spiegelt sich auch in der Positionierung der professionellen Händler wider. Wie aus dem am Freitag veröffentlichten Commitments-of-Traders-Bericht der US-Aufsichtsbehörde CFTC hervorgeht, haben spekulative Akteure ihr Engagement spürbar zurückgefahren. In der Erhebungswoche bis zum 13. Oktober schrumpften die spekulativen Netto-Longpositionen bei den COMEX-Silberkontrakten um 1.874 Kontrakte auf 5.735 Kontrakte.
Parallel dazu bleibt die physische Versorgungslage ein zentrales Thema für Marktbeobachter. Nach Angaben der London Bullion Market Association lagerten in den Londoner Tresoren zum Stichtag 30. September insgesamt 28.985 Tonnen Silber.
Angebotsdefizit bildet fundamentale Untergrenze
Unterstützung erhält das Edelmetall auf der fundamentalen Ebene von der anhaltenden Verknappung im physischen Handel. Das Brancheninstitut Silver Institute und das Analysehaus Metals Focus prognostizieren im World Silver Survey 2026 für das laufende Jahr ein weltweites Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen.
Im vorangegangenen Jahr 2025 hatte das Defizit 40,3 Millionen Unzen betragen. Damit steuert der globale Silbermarkt auf das sechste Unterversorgungsjahr in Folge zu, was mittelfristig ein Gegengewicht zu den Zinsunsicherheiten bildet.
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