Silber Preis: FOMC am 16./17. Juni entscheidend

Silber profitiert von geopolitischer Entspannung, steht aber vor richtungsweisendem Fed-Meeting im Juni.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus durch Waffenstillstands-Hoffnung
  • Fed-Zinsentscheidung als nächster Impuls
  • Angebotsdefizit-Prognose deutlich gesenkt
  • Analystenziele zwischen 75 und 110 Dollar

Ein Waffenstillstand schiebt Silber nach oben. Doch das fundamentale Bild bleibt widersprüchlich — und in der kommenden Woche entscheidet die Fed mit.

Geopolitischer Funke, gemischte Signale

Silber-Futures eröffneten am Freitag mit einem Plus von 4,6 Prozent bei 76,02 Dollar je Unze. Auslöser war die Meldung, dass die USA und der Iran eine vorläufige Einigung zur Verlängerung ihres Waffenstillstands um 60 Tage erzielt haben. Die Unterschrift von Präsident Trump steht noch aus.

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Der Kurs schloss bei 75,83 Dollar — ein Rückgang von 0,5 Prozent zum Tagesende, aber auf Monatssicht liegt Silber rund 6 Prozent im Plus.

Hinter dem Kursanstieg steckt mehr als Erleichterung. Investoren beobachten die Straße von Hormus genau. Bleibt die Meerenge blockiert, halten sich Öl- und Energiepreise hoch. Das wiederum nährt die Inflation — und zementiert die Haltung der Fed.

Fed-Meeting als nächster Katalysator

Das FOMC-Meeting am 16. und 17. Juni wird richtungsweisend. Es ist das erste unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh und enthält einen aktualisierten Dot Plot — die erste Zinsprognose seit März.

Händler preisen eine Wahrscheinlichkeit von 98,2 Prozent für eine unveränderte Zinsentscheidung ein. Die US-Inflation kletterte im April auf 3,8 Prozent — den höchsten Stand seit September 2023. Fed-Gouverneurin Lisa Cook signalisiert Offenheit für Zinserhöhungen, falls der Druck weiter steigt. John Williams warnte bereits, die Inflation könnte kurzfristig auf 4 Prozent steigen.

Für Silber ist das ein zweischneidiges Schwert. Höhere Zinsen belasten den zinslosen Rohstoff. Anhaltende Inflation stützt ihn als Werterhalt.

Angebot und Nachfrage unter Druck

Das strukturelle Bild trübt sich ein. UBS revidierte seine Schätzung für das globale Angebotsdefizit drastisch nach unten: von 300 Millionen Unzen auf nun 60 bis 70 Millionen Unzen für 2026. Als Gründe nennt die Bank schwächere Investmentnachfrage, geringere Industrienachfrage und höheres Minenangebot.

Besonders die Solarbranche zieht weniger Silber ab. Hersteller reduzieren den Einsatz je Modul durch technischen Fortschritt. Die photovoltaikbezogene Nachfrage könnte 2026 um rund 19 Prozent fallen. Die industrielle Nachfrage insgesamt sank 2025 auf 657 Millionen Unzen — nach einem Rekord von 679 Millionen Unzen im Jahr zuvor.

Analysten uneins über das Kursziel

Die Einschätzungen der Banken liegen weit auseinander:

  • Citigroup: 110 Dollar in der zweiten Jahreshälfte 2026
  • Bank of America: Jahresdurchschnitt 85,93 Dollar für 2026
  • HSBC: Durchschnittspreis 75 Dollar für 2026, 68 Dollar für 2027

Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 59. Historisch gilt ein Wert über 80 als Signal für eine Unterbewertung von Silber, unter 40 als Überbewertung. Das aktuelle Niveau zeigt eine neutrale Zone — kein klares Kaufsignal, aber auch kein Warnsignal.

Silber notiert knapp unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 76,09 Dollar. Das FOMC-Meeting und der weitere Verlauf der US-Iran-Verhandlungen bestimmen, ob der Kurs diese Marke zurückerobert oder erneut nachgibt.

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