Silber Preis: FOMC-Sitzung am 16. Juni im Fokus

Silber erholt sich von Tiefständen, bleibt aber unter Druck durch hohe Zinsen und starke US-Arbeitsmarktdaten.

Die Kernpunkte:
  • Silber notiert 35% unter Rekordhoch
  • FOMC-Sitzung und US-Jobdaten im Fokus
  • Sechstes Jahr mit Angebotsdefizit erwartet
  • Analystenprognosen für Silber stark uneinheitlich

Silber hat sich von seinem Februr-Tief bei rund 60 US-Dollar teilweise erholt, notiert aber mit 75,83 Dollar je Feinunze immer noch 35 Prozent unter dem Januar-Rekord von knapp 117 Dollar. Der RSI liegt bei 58,9 Punkten im neutralen Bereich, der Preis unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,09 Dollar. Das Edelmetall steckt in einer Zwickmühle: strukturell enorme Angebotslücken treiben die Langfrist-Perspektive, während makroökonomischer Gegenwind die Kurse deckelt.

Die kommende Woche könnte für eine Richtungsentscheidung sorgen.

FOMC und Arbeitsmarkt im Fokus

Am Freitag stehen die US-Nonfarm Payrolls an. Die Prognosen erwarten eine Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent und neue Stellen zwischen 120.000 und 150.000. Ein stärkerer als erwarteter Bericht würde die Erwartung weiterer fester Zinshaltung untermauern. Der Inflationswert von 3,8 Prozent im April hat bereits alle Hoffnungen auf kurzfristige Zinssenkungen unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh zunichte gemacht. Die Realrenditen steigen – ein klassischer Belastungsfaktor für zinslose Assets wie Silber.

Wichtiger noch: Vom 16. bis 17. Juni tagt das Fed-Offenmarktkomitee. Es wird die erste Sitzung unter Warshs Führung sein. Die Märkte preisen eine 65-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause ein. Die Sitzung liefert zudem das erste aktualisierte Dot-Plot unter der neuen Führung – eine potenziell richtungsweisende Signalwirkung. Fed-Funds-Futures deuten auf null Zinssenkungen im laufenden Jahr oder allenfalls verzögerte Schritte zum Jahresende hin.

Fundamentaldaten sprechen eine andere Sprache

Trotz des kurzfristigen Preisdrucks bleibt die Angebotsseite historisch eng. Das Silver Institute bestätigt, dass 2026 das sechste Jahr in Folge mit einem strukturellen Angebotsdefizit wird. Haupttreiber: die industrielle Nachfrage aus Photovoltaik, Elektrofahrzeugen und KI-Hardware.

HSBC zeigt sich dennoch zurückhaltend. Die Bank rechnet 2026 mit einem Rückgang der industriellen Silbernachfrage auf 642 Millionen Unzen, da Hersteller angesichts hoher Preise zunehmend Substitutionsmöglichkeiten prüfen. Die durchschnittliche LBMA-Analystenprognose für 2026 liegt bei 79,57 Dollar – die Spannweite reicht von 42 bis 165 Dollar, ein Indikator für die extreme Unsicherheit.

Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 59, nachdem es sich von seinem Tief bei 43 erholt hat. Der langjährige Durchschnitt von 65 bis 75 deutet an, dass Silber historisch nicht mehr günstig bewertet ist – ein Kontrast zu früheren Phasen, in denen Werte über 80 als klares Kaufsignal galten.

Geopolitik bleibt unberechenbar

Seit Ende Februar lastet zusätzlich geopolitischer Druck auf Silber. Der Anstieg der Ölpreise infolge der Nahost-Konflikte hat Inflationsängste geschürt und die Erwartung einer strafferen Geldpolitik verstärkt. Ein vorläufiger 60-tägiger Waffenstillstand steht zur Genehmigung an. Ob er die Energiepreise beruhigt, ist offen.

Die Nonfarm Payrolls am 6. Juni und die FOMC-Sitzung am 16.–17. Juni sind die beiden nächsten Katalysatoren. Sollten die Makrodaten eine erste Lockerung andeuten, könnte Silber seine Erholung fortsetzen. Bleiben die Inflations- und Arbeitsmarktdaten fester, dürfte der Abwärtskanal intakt bleiben.

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