Silber Preis: Goldman Sachs erwartet 85–100 Dollar

Starker Dollar und Zinserwartungen stoppen den Silberpreisanstieg vorerst. Analysten sehen jedoch keine Trendwende und verweisen auf das strukturelle Angebotsdefizit.

Die Kernpunkte:
  • Gewinnmitnahmen nach kräftiger Rally
  • Fester Dollar und Fed-Zinsen als Bremsen
  • Angebotsdefizit stützt langfristige Perspektive
  • Analysten sehen Kurspotenzial bis 100 Dollar

Der Silberpreis ist nach einer kräftigen Rally zum Wochenausklang ins Stocken geraten. Ein widerstandsfähiger US-Dollar und die Aussicht auf anhaltend hohe Leitzinsen der US-Notenbank setzten dem Edelmetall am 24. Juli 2026 zu und lösten Gewinnmitnahmen aus. Analysten sprechen von einer technischen Verschnaufpause, nicht von einer Trendwende – die grundlegende Bullenstory für Silber bleibt intakt.

Dollarstärke und Fed-Zinsen belasten kurzfristig

Marktbeobachtungen zufolge drückten vor allem die feste US-Devise und die Erwartung, dass die Federal Reserve ihren restriktiven Zinskurs vorerst beibehält, auf den Silberpreis. Eine spürbare Erholung des Edelmetalls dürfte demnach erst dann einsetzen, wenn die Notenbank klare Signale für eine Lockerung ihrer Geldpolitik sendet. Der Marktanalyst Christopher Lewis sieht in der Marke von 60 US-Dollar je Feinunze den entscheidenden psychologischen Widerstand, an dem sich in den kommenden Handelstagen zeigen dürfte, ob der zuletzt beobachtete Abwärtsimpuls bereits ausgelaufen ist oder sich fortsetzt.

Die kurzfristige Schwäche vollzieht sich vor einem angespannten globalen Marktumfeld. Die Wall Street geriet zuletzt unter Druck, nachdem Huthi-Angriffe auf saudi-arabische Öltanker im Roten Meer die Ölpreise über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel trieben und die geopolitischen Risiken rund um den Iran-Konflikt eskalierten. Parallel dazu kündigte US-Präsident Trump neue Strafzölle von 10 bis 12,5 Prozent gegen rund 60 Handelspartner an, darunter die EU, China und Japan – ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor, der die Risikobereitschaft an den Märkten insgesamt dämpft.

Strukturelles Angebotsdefizit stützt die langfristige Perspektive

Trotz der jüngsten Schwäche bleibt das fundamentale Bild für Silber nach Einschätzung mehrerer großer Häuser positiv. Der Markt steuert demnach bereits ins sechste Jahr in Folge auf ein Angebotsdefizit zu, für 2026 wird ein Fehlbetrag von 46,3 Millionen Unzen erwartet. Getrieben wird die Nachfrage insbesondere durch den Industriebedarf aus der Solarbranche und aus Anwendungen im Umfeld künstlicher Intelligenz, die Silber als leitfähigen Rohstoff in wachsendem Umfang benötigen.

Vor diesem Hintergrund halten Analysten von JPMorgan ein Kursziel von 81 US-Dollar je Feinunze für erreichbar. Die Analysten von Goldman Sachs gehen noch weiter und sehen eine Spanne von 85 bis 100 US-Dollar als möglich an. Beide Einschätzungen datieren vom 23. Juli 2026 und markieren damit eine deutliche Diskrepanz zwischen der kurzfristigen Marktbewegung und den mittelfristigen Erwartungen der Investmentbanken.

Ausblick: Fed-Politik als Schlüsselfaktor

Für die kommenden Wochen dürfte die Geldpolitik der Federal Reserve der zentrale Taktgeber für den Silberpreis bleiben. Sollte die Notenbank Anzeichen einer Zinswende liefern, könnte dies dem Edelmetall neuen Auftrieb verschaffen und den Weg zur charttechnisch wichtigen 60-Dollar-Marke ebnen. Bleibt der Dollar hingegen fest und die Zinsen hoch, dürfte sich die aktuelle Konsolidierungsphase zunächst fortsetzen – während das strukturelle Angebotsdefizit im Hintergrund weiter für Unterstützung sorgt.

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