Silber Preis: Indische Einfuhren um 90 Prozent eingebrochen
Silber festigt sich oberhalb von 60 Dollar. Geopolitische Krisen, Zinserwartungen und hohe Industrienachfrage stützen den Preis, während das Angebot knapp bleibt.

- Silber verteidigt Gewinne über 60 Dollar
- Geopolitische Spannungen erhöhen Absicherungsnachfrage
- Industrielle Verwendung treibt strukturelle Nachfrage
- Angebotslücke bleibt kritischer Preistreiber
Silber hat in der vergangenen Woche die kräftigen Gewinne der Vorwoche verteidigt und seine technische Ausgangslage weiter verbessert. Das Edelmetall löste sich nach der dynamischen Rückkehr über die Marke von 60 US-Dollar spürbar von diesem Niveau und ringt nun um weiteres Momentum in Richtung höherer Marken.
Geopolitische Spannungen treiben Fluchtbewegung
Die Konsolidierung fällt in eine Phase erneut steigender geopolitischer Risiken. Am Persischen Golf und in der Ukraine nahmen die Spannungen zuletzt wieder zu, parallel dazu zog der Ölpreis deutlich an. Verschärft wurde die Lage im Nahen Osten dadurch, dass Israel am vergangenen Wochenende neue Angriffe auf den Libanon startete.
Zugleich bereitet Präsident Donald Trump neue Wirtschaftssanktionen vor, die den Iran zur Kapitulation zwingen sollen. Diese Gemengelage stützt die Nachfrage nach Silber als Absicherung gegen politische Unsicherheit.
Fed-Zinserwartungen als zweiter Treiber
Neben der Geopolitik trägt die Geldpolitik den Silberpreis. Nach einer Reihe schwacher US-Konjunkturdaten rechnen die Märkte inzwischen fest damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen im September unverändert lässt. Eine Zinserhöhung bis zum Jahresende wird an den Märkten nicht mehr vollständig eingepreist. Niedrigere Zinserwartungen verringern die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls und wirken damit unterstützend.
Industrielle Nachfrage bleibt strukturell hoch
Losgelöst von den kurzfristigen Preisimpulsen bleibt die fundamentale Nachfrageseite robust. Silber profitiert weiterhin von seiner Rolle im Übergang zu grüner Energie: Photovoltaik-Solarmodule, Elektrofahrzeuge und der Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz sorgen für eine solide industrielle Verwendung des Metalls. Diese strukturelle Nachfragekomponente unterscheidet Silber von einem reinen Krisenmetall und erklärt einen Teil der Preisdynamik der vergangenen Monate.
Lagerbestände legen leicht zu
Ein Blick auf die Verfügbarkeit zeigt ein gemischtes Bild. In den zugelassenen COMEX-Lagerhäusern lagen zuletzt rund 336,2 Millionen Feinunzen Silber, umgerechnet etwa 10.457 Tonnen.
Davon gelten 99,5 Millionen Unzen als „registered“ und damit gegen Futures lieferbar, weitere 236,7 Millionen Unzen als „eligible“. Gegenüber dem vorherigen Lagerbericht stieg der Gesamtbestand um eine Million Unzen – ein moderater Zuwachs, der die grundsätzliche Angebotsknappheit aber nicht auflöst.
Chartbild zeigt dünnere Luft oberhalb von 65 Dollar
Technisch betrachtet hatte sich zunächst eine Bodenformation im Sinne eines umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Musters herausgebildet, deren Symmetrieachse auf den 16. Juli fällt.
Der Ausbruch der vergangenen Wochen bestätigte dieses Muster vorläufig. Einer Bewegung Richtung 70 Dollar schien zunächst wenig im Wege zu stehen, doch die jüngste Entwicklung zeigt, dass die Luft oberhalb von 65 Dollar merklich dünner wird.
Der Kursverlauf der vergangenen Monate war dabei alles andere als linear: Nach einem Schlusskurs von 75,67 Dollar im Mai fiel der Preis im Juni um 21,8 Prozent auf 59,36 Dollar, stabilisierte sich im Juli bei 58,42 Dollar und rutschte im August zwischenzeitlich auf 53,73 Dollar ab, bevor die jüngste Erholung einsetzte.
Strukturelles Defizit bleibt Hintergrundthema
Die fundamentale Angebotsknappheit bleibt ein längerfristiger Preistreiber. HSBC erwartete für 2026 eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage von 126 Millionen Unzen – eine Verbesserung gegenüber den 206 Millionen Unzen im Jahr 2025, aber weiterhin ein kritisches Niveau.
Verschärfend wirken seit Januar 2026 chinesische Exportbeschränkungen für Silber, während Indien seit Mai 2026 die Einfuhr per Lizenzpflicht beschränkt, was die dortigen Importe um mehr als 90 Prozent einbrechen ließ. Beide regulatorischen Eingriffe könnten das global verfügbare Angebot zusätzlich verknappen und den Boden für den aktuellen Preisanstieg mitbereitet haben.
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