Silber Preis: JPMorgan senkt Ziel auf 63 Dollar
JPMorgan reduziert das Silberziel für das vierte Quartal auf 63 Dollar, während Angebotsdefizit und ETF-Zuflüsse den Kurs stützen.

- JPMorgan senkt Quartalsziel auf 63 Dollar
- Silber notiert weiterhin über der Zielmarke
- Für 2026 wird Angebotsdefizit erwartet
- Silber-ETF stockt Bestände deutlich auf
JPMorgan hat seine Prognose für Silber im vierten Quartal 2026 drastisch zurückgenommen: Statt 90 Dollar je Feinunze erwarten die Analysten nun nur noch 63 Dollar. Die Kürzung um rund ein Drittel wurde am Freitag bekannt, just an dem Tag, an dem Silber bei 66,75 Dollar gehandelt wurde – oberhalb der neuen JPMorgan-Marke.
Der Zeitpunkt der Revision fällt mit einem für den Silberpreis eigentlich ungünstigen Umfeld zusammen. Der US-Arbeitsmarktbericht für August fiel mit einem Plus von 162.000 Stellen deutlich stärker aus als von Ökonomen erwartet, die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 Prozent.
Die Daten befeuerten Spekulationen auf eine Zinserhöhung der Fed im September, die Wahrscheinlichkeit dafür kletterte an den Terminmärkten zeitweise auf über 60 Prozent. Steigende Realzinsen gelten traditionell als Belastung für zinslose Edelmetalle wie Silber und Gold, das nach dem Bericht ebenfalls nachgab.
Kurs trotzt der pessimistischeren Einschätzung
Am heutigen Samstag notiert Silber bei 67,58 Dollar je Feinunze und damit klar über dem von JPMorgan neu ausgegebenen Zielwert von 63 Dollar. Am Donnerstag legte der Kurs um 2,5 Prozent zu, auf Monatssicht steht ein Plus von 8,6 Prozent zu Buche.
Dass der Markt die gesenkte Prognose bislang nicht eins zu eins nachvollzieht, wirft die Frage auf, ob JPMorgan mit seiner Neubewertung tatsächlich den fairen Wert trifft oder ob der Silberpreis strukturell unterstützt bleibt.
Ein Argument für Letzteres liefert das Silver Institute, das für 2026 ein globales Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen prognostiziert. Ein solches Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Minenproduktion spricht grundsätzlich für eine anhaltend feste Preisbasis, unabhängig von kurzfristigen Zinserwartungen.
Auch die physische Nachfrageseite bleibt aktiv: Der iShares Silver Trust, der weltgrößte Silber-ETF, hat seine Bestände zuletzt binnen eines Tages um knapp 20 Tonnen auf über 15.300 Tonnen aufgestockt – ein Zeichen dafür, dass institutionelle Anleger trotz der Zinsdiskussion an Silber festhalten.
Zinsdebatte bleibt bestimmender Faktor
Die Gemengelage aus robusten Arbeitsmarktdaten und wachsenden Zinserhöhungserwartungen belastete am Freitag nicht nur Edelmetalle, sondern die gesamte Wall Street: Der Dow Jones gab um 0,51 Prozent nach, der S&P 500 verlor 0,38 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog auf 4,78 Prozent an, ein Umfeld, das Anlegern in nicht verzinsten Edelmetallen tendenziell schwerer macht.
Für Silber-Anleger bedeutet die JPMorgan-Revision vor allem eines: Die Bank rechnet damit, dass sich die geldpolitische Straffung stärker auf den Preis durchschlägt, als es der Markt bislang einpreist.
Solange der Kurs jedoch über der neuen Zielmarke von 63 Dollar verharrt, bleibt offen, welche der beiden Kräfte – restriktivere Fed-Politik oder physisches Angebotsdefizit – sich in den kommenden Wochen als stärker erweist.
Richtungsweisend dürften dabei die anstehenden US-Verbraucherpreisdaten sein, die in etwa einer Woche veröffentlicht werden und als nächster wichtiger Test für die Zinserwartungen gelten.
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