Silber Preis: Kevin Warsh stoppt Rally bei 71 Dollar
Restriktiver Fed-Kurs und geopolitische Entspannung setzen Silber zu. Die fundamentale Industrienachfrage bleibt jedoch ein starker Preisstütze.

- Fed-Chef Warsh überrascht mit restriktivem Kurs
- Starker Dollar bremst Silber-Rallye aus
- Iran-Abkommen entspannt geopolitische Lage
- Industrie treibt sechstes Defizitjahr in Folge
Starke Nachfrage, geopolitische Entspannung und eine restriktive US-Notenbank. Silber kämpft derzeit mit massiven gegensätzlichen Kräften. Der Preis kletterte am Donnerstag auf 68,91 US-Dollar je Feinunze. Das entspricht einem Tagesplus von 1,5 Prozent.
Neuer Fed-Chef überrascht
Kevin Warsh lieferte bei seiner ersten Sitzung als Fed-Chef eine restriktive Überraschung. Die US-Notenbank strich alle Hinweise auf baldige Zinssenkungen. Die Hälfte der Ausschussmitglieder erwartet für 2026 sogar eine Zinserhöhung. Der Median-Schätzwert für den Leitzins klettert Ende des Jahres auf 3,8 Prozent.
Die Märkte reagierten prompt. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen sprangen auf 4,21 Prozent. Der US-Dollar verzeichnete seinen stärksten Handelstag seit fast einem Jahr. Die Folge: Ein starker Dollar macht Edelmetalle für Anleger teurer. Die Silber-Rallye stoppte abrupt oberhalb von 71 US-Dollar und fiel deutlich zurück.
Inflation und Entspannung am Golf
Den Grund für den harten Fed-Kurs liefert die hartnäckige Inflation. Die Teuerungsrate erreichte im Mai 4,2 Prozent. Energiekosten trieben diesen Anstieg maßgeblich an.
Parallel dazu entspannt sich die geopolitische Lage. Die USA und der Iran unterzeichneten ein vorläufiges Friedensabkommen. Der Deal hebt Sanktionen auf iranische Ölexporte auf und öffnet die Straße von Hormuz. Silber erholte sich nach dieser Nachricht wieder über die Marke von 69 US-Dollar.
Industrie saugt den Markt leer
Abseits von Zinsen und Geopolitik stützt die fundamentale Nachfrage den Preis. Der globale Silbermarkt verzeichnet das sechste Defizit-Jahr in Folge. Über die Hälfte der weltweiten Nachfrage stammt aus der Industrie.
Rechenzentren und KI-Infrastruktur benötigen gewaltige Mengen des Edelmetalls. Auch chinesische Energiespeicher und Solaranlagen treiben den Verbrauch. Industriell genutztes Silber wird dabei verbraucht und kaum recycelt. Jedes neue Elektroauto entzieht dem Markt dauerhaft Material.
Technisch rückt nun der 200-Tage-Durchschnitt in den Fokus. Silber testete diese kritische Linie bei 68,72 US-Dollar nach der Fed-Sitzung punktgenau. Fällt der Preis unter dieses Niveau, droht ein weiterer Rücksetzer. Die nächste Auffangzone wartet dann erst wieder ab 66,53 US-Dollar.
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