Silber Preis: Lieferbestände schrumpfen trotz Lager-Anstieg
Sinkende lieferbare COMEX-Bestände und längere Raffinationszeiten treffen auf Renditedruck; die UBS sieht weiteres Kurspotenzial.

- Silber verliert 1,8 Prozent
- COMEX-Gesamtbestände steigen um 2,5 Millionen Unzen
- Sofort verfügbare Bestände gehen zurück
- UBS prognostiziert bis zu 80 US-Dollar
Divergierende Signale bei den physischen Beständen und anhaltender Druck von den Anleihemärkten bestimmen das Geschehen am Silbermarkt. Am gestrigen Mittwoch gab der Silberpreis um 1,8 Prozent auf 60,76 USD je Feinunze nach. Während der Preis damit weiter unter Druck steht, offenbart der Blick auf Lagerbestände und Verarbeitungsstrukturen gegenläufige Entwicklungen.
Bestände steigen, lieferbare Ware nimmt ab
Bei den Lagerbeständen an der New Yorker Terminbörse COMEX zeigten sich zuletzt bemerkenswerte Verschiebungen. Angaben von Money Metals Exchange zufolge legten die gesamten Bestände in der Woche vom 18. bis zum 25. September um rund 2,5 Millionen Unzen auf insgesamt 332,6 Millionen Unzen zu.
Dieser Anstieg entfiel jedoch vollständig auf Bestände der Kategorie „eligible“, die den Kriterien der Börse entsprechen, aber nicht unmittelbar für die Abwicklung von Terminkontrakten registriert sind. Die sofort lieferbaren „registered“-Bestände schrumpften im selben Zeitraum dagegen um 1,0 Million Unzen.
Gleichzeitig verzeichnet die physische Verarbeitung deutliche Verzögerungen. Josh Phair, CEO von Scottsdale Mint, erklärte in einem Medieninterview, dass die Silberraffination je nach eingesetztem Rohmaterial gegenwärtig drei bis vier Monate im Rückstand liege. Verfügbares raffiniertes Metall sei in den USA zwar vorerst in ausreichendem Maße vorhanden, die Verarbeitungsfristen verlängern sich jedoch spürbar.
Belastung durch Renditen und Zinsunsicherheit
Auf der Preisseite dominieren vor allem makroökonomische Faktoren. Medienberichten zufolge lasteten zuletzt gestiegene Renditen bei den US-Staatsanleihen und ein festerer US-Dollar auf den Notierungen.
Dies verteuerte die Opportunitätskosten der zinslosen Edelmetallhaltung. Zusätzliche Verunsicherung ging von den Spannungen in der Straße von Hormuz aus, die vor gut drei Wochen geopolitische Sorgen schürten.
Am Devisen- und Anleihemarkt sorgten zuletzt wechselnde Wirtschaftsdaten für sprunghafte Zinserwartungen. Marktteilnehmer richten ihren Blick nun auf den am morgigen Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht. Von den Daten erhoffen sich Investoren klarere Signale für den künftigen Zinskurs der Federal Reserve.
UBS sieht längerfristiges Potenzial
Trotz der jüngsten Konsolidierung blicken Analysten verhalten zuversichtlich auf das kommende Jahr. Dominic Schnider, Stratege bei der UBS, prognostizierte im September ein Kursziel von 70 US-Dollar je Unze bis Dezember 2026. Im weiteren Verlauf traut die Schweizer Großbank dem Edelmetall Notierungen von 75 US-Dollar im März und Juni 2027 sowie 80 US-Dollar je Unze bis September 2027 zu.
Als fundamentale Stützen nannte die UBS neben der engen Koppelung an Gold vor allem die industrielle Nachfrage im Zuge von Investitionen in die Elektrifizierung sowie längerfristige Risiken für den US-Dollar.
Schnider empfahl, Kursrücksetzer eher für einen schrittweisen Positionsaufbau zu nutzen, statt kurzzeitigen Preisanstiegen nachzujagen. Im Handel notiert das Edelmetall derzeit mit einem Abstand von 15 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt.
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