Silber Preis: Markt bleibt im Defizit
Silber verliert kurzfristig an Wert, während Angebotslücken, starke Investmentkäufe und sinkende Lagerbestände auf anhaltende Marktspannung hindeuten.

- Silberpreis 5,9 Prozent niedriger
- Sechstes Defizitjahr wird erwartet
- Investmentnachfrage erreicht 147,6 Millionen Unzen
- COMEX-Bestände seit 2020 deutlich gesunken
Silber notiert am Donnerstag bei 65,93 US-Dollar je Feinunze und damit deutlich unter dem im Januar erreichten 52-Wochen-Hoch von 121,78 Dollar. Der Rückgang um 5,9 Prozent auf Wochensicht steht im Kontrast zu einem Plus von 10 Prozent im 30-Tage-Vergleich – ein Zeichen für die hohe Schwankungsbreite, mit der sich das Edelmetall derzeit bewegt. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 37 Prozent.
Während kurzfristig Zinssorgen und geopolitische Spannungen den Kurs belasten, zeichnet sich auf der Angebotsseite ein grundlegend anderes Bild ab. Der Silbermarkt befindet sich laut dem Silver Institute seit 2021 ununterbrochen im Defizit.
Für 2025 wird der Fehlbetrag auf rund 40,3 Millionen Unzen geschätzt, für 2026 rechnet die Organisation mit einem sechsten Defizitjahr in Folge – je nach Berechnung mit einer Lücke von 46,3 oder 67 Millionen Unzen. Verschärft wird die Lage durch seit Januar 2026 geltende chinesische Exportbeschränkungen, die das globale Angebot zusätzlich einschränken könnten.
Physische Nachfrage auf Rekordniveau
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Investmentnachfrage. In Indien stieg der physische Silberkonsum um 33 Prozent auf 79,2 Millionen Unzen. Rechnet man Zuflüsse in Silber-ETPs hinzu, erreichte die globale Investitionsnachfrage nach Angaben aus dem Silbermarkt einen Rekordwert von 147,6 Millionen Unzen.
Auch in Europa griffen Anleger verstärkt zu: Silber machte Anfang 2026 zeitweise bis zu 30 bis 50 Prozent des Einzelhandelsumsatzes bei Edelmetallhändlern aus – ein historischer Höchstwert. Die Nachfrage war so stark, dass Prägeanstalten Silbermünzen zeitweise rationieren oder ihre Ausgabe ganz einstellen mussten.
Für 2026 wird zudem ein Anstieg der Nachfrage nach Münzen und Barren um 18 Prozent erwartet – der höchste Stand seit 2022. Gegenläufig entwickelt sich die industrielle Nachfrage aus der Solarbranche: Dort wird ein Rückgang des Silberverbrauchs um 19 Prozent prognostiziert, da die hohen Preise Hersteller zunehmend zwingen, den Materialeinsatz in Photovoltaikmodulen zu reduzieren oder auf Alternativen auszuweichen.
Auf der Lagerseite verstärkt sich der Verknappungstrend. Die registrierten Bestände an der COMEX sind seit 2020 um rund 70 Prozent gesunken. Bereits im Juni hatte der iShares Silver Trust innerhalb einer Woche gut 141 Tonnen Silber ausgebucht, der Bestand fiel damals auf gut 15.000 Tonnen.
Kurzfristig bleibt der Zinspfad entscheidend
Trotz der strukturellen Angebotsknappheit bleibt Silber kurzfristig anfällig für Zinserwartungen, da das Metall keine laufenden Erträge abwirft. Die jüngste Marktreaktion auf Äußerungen der US-Notenbank am vergangenen Montag – der Kurs verlor seither 1,9 Prozent – zeigt, wie sensibel Anleger auf geldpolitische Signale reagieren.
Mit einem RSI von 51,3 zeigt der Markt derzeit keine extreme Über- oder Unterbewertung, während der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von minus 12 Prozent auf eine noch nicht abgeschlossene Korrektur seit dem Jahreshoch hindeutet.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Kurzfristig dominieren Zins- und Konjunkturdaten die Kursbewegungen, während die fundamentalen Angebots- und Nachfragedaten für ein strukturell angespanntes Marktumfeld sprechen, das den Silberpreis mittelfristig stützen dürfte.
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